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Nicht mehr vorhanden
Dieses Bauwerk existiert heute nicht mehr – der Eintrag erzählt seine Geschichte.
© Joauth · CC BY-SA 3.0

Wohn- und Geschäftshaus Hansemannstraße 2

2019 abgerissenes Baudenkmal in Köln-Ehrenfeld – um 1870 erbaut und nach Bauschäden durch Arbeiten auf dem Nachbargrundstück verloren.

Ein um 1905 ergänztes Hauszeichen an der Stuckfassade verwies auf Johann Wollersheim, der ab 1906 im Haus eine Bäckerei betrieb.

Auf einen Blick

Art
Wohn- und Geschäftshaus (nicht mehr vorhanden)
Lage
Hansemannstraße 2, Köln-Ehrenfeld
Baujahr
um 1870
Bauform
dreiachsig, zwei Geschosse, spätklassizistische Stuckfassade
Denkmalschutz
seit 6. März 1992, Denkmalliste Nr. 6410
Abriss
Beginn 7. Januar 2019, Fassadenstuck bis Februar 2019 geborgen
Wusstest du?

2018 sackte der Gewölbekeller des Hauses während Bauarbeiten auf dem Nachbargrundstück ab, wodurch das denkmalgeschützte Gebäude einen sichtbaren Riss erhielt und schließlich 2019 – trotz Bürgerprotesten und Polizeieinsatz – abgerissen werden musste.

Bedeutung für Ehrenfeld

Das Haus zählte zur frühen Bebauung Ehrenfelds, noch bevor der Ort als Stadtteil nach Köln eingemeindet wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs Ehrenfeld vor allem durch Industrieansiedlungen; die damalige Jacobstraße, heute Hansemannstraße, wurde bis 1880 als eine der ersten Straßen von der Venloer Straße abzweigend angelegt. Als Beispiel der frühen Bebauungsphase stand das Gebäude für die sozialgeschichtliche Entwicklung des Stadtteils und für das „wachsende Selbstbewußtsein der Bewohner Ehrenfelds in diesen Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs“. Bereits 1891 ist der Bäcker Peter Riem als Eigentümer belegt.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Architektur

Das dreiachsige Haus wurde mit zwei Geschossen errichtet. Die Fassade trug im ersten Obergeschoss Stuck im spätklassizistischen Stil. Im Inneren fanden sich ornamentierte Bodenfliesen im straßenseitigen Flur, eine Holztreppe mit gedrechselten Stäben und Holzgeländer, eine Stuckdecke im Ladenlokal sowie ein Gewölbekeller. Dachgeschoss, Ladenbereich, Haustür und Fenster waren gegenüber dem ursprünglichen Zustand verändert worden.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Schäden durch die Nachbarbebauung

Letzter Eigentümer war eine Beteiligungsgesellschaft der WvM Immobilien + Projektentwicklung GmbH, die zugleich die Baumaßnahme auf dem Nachbargrundstück durchführte. Nach Aussage des Bauherrn war kein Abriss vorgesehen, sondern eine bereits beantragte Sanierung, nach der das Haus in die neue Nachbarbebauung eingefügt werden sollte. Als Schutzmaßnahme gegen die Ausschachtungsarbeiten wurde begonnen, das Gebäude mit Betonriegeln zu unterfangen. Dabei gab im Mai 2018 der Gewölbekeller nach, das Haus sackte mehrere Zentimeter ab, und ein Riss zog sich sichtbar durch das Gebäude. Wegen Einsturzgefahr wurde die Hansemannstraße kurzzeitig gesperrt, das Betreten des Hauses verboten und die Arbeiten auf dem Nachbargrundstück ausgesetzt. Etwa eine Woche später wurde das Haus mit Holzbalken abgestützt; dabei kam es zu emotionalen Reaktionen der Bevölkerung, die einen Polizei- und Feuerwehreinsatz auslösten. Die genaue Ursache war laut Bauherr im Januar 2019 noch nicht endgültig geklärt.

© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Bemühungen um den Erhalt und Abriss

Mehrere Seiten setzten sich für den Erhalt ein, darunter die Bürgervereinigung Ehrenfeld. Die Bezirksvertretung Ehrenfeld beschloss am 4. Juni 2018 auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und einem Einzelmandatsträger unter anderem, keine Abrissgenehmigung zu erteilen und den Bauträger gemäß § 27 Denkmalschutzgesetz NRW zur Wiederherstellung des Zerstörten zu verpflichten. Zwei Gutachten kamen zu dem Ergebnis, dass eine Rettung nicht mehr ohne Gefahr für Menschenleben möglich sei. Im Dezember 2018 erteilte die Stadtverwaltung die Abbruchgenehmigung, der sich auch die Denkmalpflege nicht mehr widersetzte. Die Abrissarbeiten begannen am 7. Januar 2019; die Stuckverzierungen der Fassade wurden bis Februar 2019 geborgen und an die Stadt Köln übergeben.

© Elke Wetzig · CC BY-SA 4.0

Zeitstrahl

  1. um 1870
    Erbauung des Wohn- und Geschäftshauses
  2. 1891
    Bäcker Peter Riem als Eigentümer nachgewiesen
  3. um 1905
    Hauszeichen an der Fassade ergänzt (Bäckerei Wollersheim)
  4. 1992
    Eintragung in die Denkmalliste (6. März)
  5. Mai 2018
    Gewölbekeller sackt durch Bauarbeiten ein, Haus beschädigt
  6. 4. Juni 2018
    Bezirksvertretung Ehrenfeld beschließt Erhalt und Baustopp
  7. Dezember 2018
    Stadtverwaltung erteilt Abbruchgenehmigung
  8. 7. Januar 2019
    Beginn der Abrissarbeiten

Galerie

© Elke Wetzig · CC BY-SA 4.0 · Commons
© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0 · Commons
© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0 · Commons
© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0 · Commons
© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0 · Commons
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-09-10

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