Hof Melaten
Im Mittelalter das größte Siechenhaus Deutschlands: Auf dem Hof Melaten westlich von Köln lebten Leprakranke, später entstand hier der Melaten-Friedhof.
Die Anlage lag knapp jenseits des Bischofswegs, der das städtische vom erzbischöflichen Gebiet trennte. Deshalb unterstand das Siechenhaus der Gerichtsbarkeit des Erzbischofs und befand sich in geistlicher Hand.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- ehemaliges Heim für Kranke und Aussätzige mit Lepra (Leprosorium)
- Lage
- heutiger Kölner Stadtteil Lindenthal, gut einen Kilometer westlich der damaligen Stadt
- Erste urkundliche Erwähnung
- 1243 als „hoff to Malaten“
- Kapelle
- St. Maria Magdalena und Lazarus, aus dem Jahr 1245
- Anlage
- ganz ummauert, mit sieben Siechhäusern
- Nachnutzung des Areals
- Melaten-Friedhof, eröffnet 1810
Im Mittelalter war Melaten das größte Siechenhaus Deutschlands: Laut Urkunden von 1247 und 1295 lebten dort rund 100 Menschen, die Mägde, Knechte und Eigenleute eingerechnet.
Größtes Siechenhaus im mittelalterlichen Deutschland
Im Mittelalter gab es in Deutschland kein größeres Siechenhaus als Melaten. Eine in den Jahren 1247 und 1295 erstellte Urkunde nennt 100 Bewohner, Mägde, Knechte und Eigenleute mitgezählt. Melaten war eines von vier Kölner Leprosorien („campus leprosi“), die wegen der Ansteckungsgefahr außerhalb der Stadtmauern lagen. In den drei übrigen Siechenhäusern lebten die ärmeren Kranken, die wenig oder kein Vermögen besaßen.
Anfänge und Name
Ein Leprosorium namens „Maladen“ – abgeleitet von französisch „malade“, krank – lässt sich schon 1180 durch eine Schenkung „in campum leprosi“ belegen. Der Eintrag vom 25. April 1243 im ältesten Rentbuch handelt vom Wiederaufbau; der Vorgängerbau war vermutlich im Krieg zwischen Graf Wilhelm IV. von Jülich und Erzbischof Konrad von Hochstaden zerstört worden. Konrad von Hochstaden weihte am 6. Juni 1245 die Kapelle und gewährte am 27. Juni allen Wohltätern einen Ablass. 1247 nahm Papst Innozenz IV. Melaten unter seinen besonderen Schutz. Der Name entwickelte sich über die Bezeichnung „vulgariter zuo den malaten“ (Haus der Leprosen) von 1342; die Form „Malaten“ allein ist erstmals 1364 als „hoysz zu Malayten“ belegt.
Die Anlage und ihr Umfeld
Neben den Siechhäusern gab es Wohnhäuser für Mägde und Knechte, Scheune, Ställe, ein Back-, ein Brau- und ein Waschhaus, einen Garten und einen kleinen Friedhof für verstorbene Patienten. Auch kleine Häuser und Buden dienten den Aussätzigen als Unterkunft; seit dem 16. Jahrhundert kam das Wirtshaus Offermannhaus hinzu. Die Landwirtschaft war erheblich: 1391 ist eine Herde von 100 Schafen belegt. Südlich, jenseits der Aachener Straße (Via Belgica), lag die Richtstätte Rabenstein. 1765 wurde in Melaten ein Zucht- und Arbeitshaus eingerichtet.
Bruderschaft und Provisoren
Die Kranken bildeten die Bruderschaft Conventus Claustri S. Lazari, zu der auch die Nichtkranken des Hofs gehörten. Wer eintrat, schwor dem Vorsteher Gehorsam, erwarb eine Pfründe und arbeitete, soweit es ihm möglich war. Spätestens seit 1227 verwalteten ehrenamtliche Provisoren, meist Bürger aus patrizischen Familien, Ländereien und Einkünfte; über sie konnte auch der Rat Einfluss nehmen. 1385 gab es einen Provisor, 1392 zwei und 1433 drei. Sie entschieden über die Aufnahme von Patienten, stellten das Personal ein und führten das Siegel des Siechenhofs.
Finanzierung und Lepraschau
Getragen wurde der Hof von Almosen, Stiftungen und Testamenten sowie von Einnahmen aus Liegenschaften in und vor Köln, in Düren, Bergheim, Bonn, Blatzheim und Deutz. Wohlhabende Patienten leisteten eine Einstandszahlung. Auch für die Lepraschau, die Untersuchung, ob jemand erkrankt war, wurde eine Gebühr erhoben. Unterstützt wurde Melaten zudem von einer Heilig-Geist-Bruderschaft.
Zeitstrahl
- 1180Schenkung „in campum leprosi“ nachweisbar (Leprosorium „Maladen“)
- 1243Erste urkundliche Erwähnung Melatens (25. April), Wiederaufbau
- 1245Kapelle St. Maria Magdalena und Lazarus durch Erzbischof geweiht
- 1247Papst Innozenz IV. nimmt Melaten unter besonderen Schutz
- 1364Bezeichnung „hoysz zu Malayten“ erstmals belegt
- 1391Herde von 100 Schafen belegt
- 1765Zucht- und Arbeitshaus in Melaten eingerichtet
- 1810Melaten-Friedhof auf dem Areal eröffnet
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