Heliosturm – Ehrenfelds Leuchtturm ohne Meer
Der 44 Meter hohe Heliosturm in Köln-Ehrenfeld ist ein historischer Pseudo-Leuchtturm der einstigen Elektro-Pionierfirma Helios AG und bildet zusammen mit Helioshaus und Werkhallen eines der besterhaltenen Industriedenkmäler Kölns.
Mitten in Köln-Ehrenfeld, weit entfernt von jeder Küste, ragt ein roter Backstein-Leuchtturm in den Himmel: der 44 Meter hohe Heliosturm. Er war nie ein echtes Seezeichen, sondern das Wahrzeichen der Elektro-Pionierfirma Helios AG – und leuchtet bis heute über dem Veedel.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Höhe
- rund 44 Meter
- Baustil
- historistisches Sockelgebäude (12 m, quadratisch) mit rundem Leuchtturm-Schaft aus rotem Backstein
- Funktion
- reine Versuchs- und Vorführanlage – nie echtes Seezeichen
- Denkmalschutz
- seit 1986
- Rekonstruktion
- 1996 neues Lampenhaus mit blendfreiem Dauerlicht
- Lage
- Heliosstraße, Köln-Ehrenfeld
- Zugang
- für die Öffentlichkeit nicht zugänglich
Geschichte
Die Wurzeln des Turms reichen in die Pioniertage der Elektrotechnik. 1882 entstand in der damals noch eigenständigen Industriestadt Ehrenfeld die Helios AG, benannt nach dem griechischen Sonnengott. Das Unternehmen zählte um die Jahrhundertwende zu den innovationsfreudigsten seiner Branche, baute komplette Elektrizitätswerke und beschäftigte bis zu 2.000 Menschen. Zum Geschäft gehörte auch der Bau von Leuchttürmen und Leuchtfeuern – unter anderem für Borkum, Kampen auf Sylt und Wangerooge sowie die gesamte Seesignaltechnik des Nord-Ostsee-Kanals.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten beendeten den Aufstieg: Ab 1905 betrieb die Berliner AEG die Liquidation des Unternehmens. Der Turm blieb zurück und wurde nach dem Erlöschen der Firma nicht mehr gepflegt. Erst 1996 erhielt er im Rahmen einer Rekonstruktion ein neues Lampenhaus und leuchtet seither wieder – als Erinnerungszeichen einer untergegangenen Industrie.
Architektur
Der heutige Turm ersetzte drei Jahre nach Inbetriebnahme der Fabrik eine erste, schlichtere Vorführanlage. Auf einem 12 Meter hohen, quadratischen Sockelgebäude im historistischen Stil erhebt sich der eigentliche Turm in Form eines Leuchtturms aus rotem Backstein: rund gebaut und nach oben verjüngt. Ursprünglich trug der Sockel den großen Schriftzug „Helios Elektricitäts Akt. Ges.“.
Eine auf Konsolen auskragende Plattform trug bis zum Zweiten Weltkrieg ein Versuchsleuchtfeuer. Bei der Rekonstruktion 1996 wurde das Lampenhaus als Eisen-Glas-Konstruktion nach dem Vorbild des Originals wiederhergestellt – ausgestattet mit einer blendfreien Dauerbeleuchtung, allerdings ohne jede optische Technik. Eine eiserne Spitze dient als Blitzableiter.
Ein Leuchtturm ohne Meer
Der manchmal „Ehrenfelder Leuchtturm“ genannte Bau war von Anfang an mehr als eine technische Anlage: Er diente als Blickfang und Wahrzeichen der Helios AG, die selbst Leuchtfeuer für die Küste baute. Eine reale Funktion für die Schifffahrt hatte er jedoch nie. Neben dem Leuchtturm Moritzburg und dem Neuen Lindauer Leuchtturm zählt er zu den wenigen Binnenleuchttürmen Deutschlands – anders als diese aber ohne nachweisbare Aufgabe für die Binnenschifffahrt.
Denkmal und Nutzung heute
Gemeinsam mit dem gut erhaltenen Verwaltungsgebäude Helioshaus und den früheren Produktionshallen bildet der Turm eines der besterhaltenen Industriedenkmäler Kölns. Seit 1986 steht er unter Denkmalschutz. Zutritt ins Innere gibt es für die Öffentlichkeit nicht.
Einmal im Jahr wird der Turm dennoch lebendig: Seit 2001 rüsten ihn Funkamateure zum Internationalen Leuchtturm- und Feuerschiff-Wochenende mit einer Antennenanlage aus. Unter der Kennung FED-107 und dem Rufzeichen DE0011 ist er dann mit über 300 Leuchtfeuern weltweit verbunden. Im Januar 2008 zeigten die Kölner Künstler Till Nachtmann und Stefan Silies zudem ihre Lichtinstallation „Gespinsterturm“ im Lichthaus des Turms.
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