Dünnwalder Wald
Stadtwald im Kölner Nordosten mit Wildpark samt Wisenten, einem Arboretum mit Mammutbaum und Zeder sowie einer zum Vogelbiotop gewordenen Kiesgrube.
Wo heute Bäume stehen, lagen einst die Dünnwalder und die Thurner Heide, die Gemeindeheiden der umliegenden Ortschaften. Der Wald entstand durch Aufforstung dieser Heideflächen.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Stadtwald, Teil der Bergischen Heideterrasse
- Größe
- rund 410 Hektar
- Lage
- im Nordosten Kölns, im Wesentlichen im Stadtteil Dünnwald (Stadtbezirk Mülheim); grenzt an Höhenhaus und Dellbrück
- Ausdehnung
- reicht bis in die Stadtgebiete von Bergisch Gladbach und Leverkusen
- Bedeutung
- neben dem Königsforst Bestandteil des rechtsrheinischen Grüngürtels
- Ausstattung
- gepflegte Wege und eine Reihe von Schutzhütten
Der heutige Dünnwalder Wald war bis ins 19. Jahrhundert weitgehend offene Heide: Schon 1893 wurden große Teile „generalstabsmäßig“ mit der in der Niederrheinischen Bucht nicht heimischen Waldkiefer aufgeforstet. In den 1970ern galt das Gebiet noch als eines der wichtigsten Heuschreckenvorkommen Nordrhein-Westfalens.
Von der Heide zum Wald
Die preußische Uraufnahme von 1844 verzeichnet hier noch weite offene Heideflächen. Die preußische Neuaufnahme von 1893 zeigt, dass große Teile davon bereits generalstabsmäßig mit Waldkiefern aufgeforstet worden waren, die in der Niederrheinischen Bucht nicht heimisch sind. Durch Landwirtschaft und militärische Nutzung blieben punktuell offene, artenreiche Lebensräume vor der zweiten Aufforstungswelle der Nachkriegszeit bewahrt, etwa im Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide und im Bereich der Schlebuscher Dünen. Bebauung, Aufforstung, Kiesabbau und spätere Rekultivierung zerstörten jedoch auch diese Flächen spätestens in den 1980er-Jahren fast vollständig.
Verlorene Heuschreckenvorkommen
Teile der Dünnwalder und der Thurner Heide galten noch in den 1970er-Jahren als eines der wichtigsten Heuschreckenvorkommen des Landes NRW. Dazu zählten unter anderem Rotflügelige Ödlandschrecke, Feldgrille und Warzenbeißer. Diese Arten sind heute verschollen, ihre Lebensräume verschwunden.
Aufforstung und Umbau
1956 legte die Kölner Stadtverwaltung gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ein Aufforstungsprogramm für das rechtsrheinische Stadtgebiet auf, um Wohngebiete gegen Abgase und Staub abzuschirmen. Weil der Boden der rechtsrheinischen Mittelterrasse überwiegend aus Sand und Kies besteht, wurde zunächst vor allem Mischwald mit vielen Nadelholzflächen angelegt; auf den kargen Böden gedeihen Kiefern und Birken am besten. Erst mehrere Jahrzehnte später begann die Forstverwaltung, den Wald allmählich zu einem Laubwald umzugestalten. Da es kaum natürliche Nistgelegenheiten gibt, wurden viele Nistkästen aufgehängt. Ein Waldbrand am 21. April 1996 erfasste nur einen kleinen Teil des Waldes, der sich inzwischen vollständig erholt hat.
Wildpark und Arboretum
Am Waldrand nahe den Wohngebieten von Dünnwald liegt der frei zugängliche Wildpark, der zeitgleich mit der Aufforstung gegründet wurde. Auf etwa 20 Hektar leben in Gehegen unter anderem Wildschweine, Damwild, Europäische Mufflons und aus Polen angesiedelte Wisente. Kostenlose Führungen beginnen jeden zweiten Mittwoch im Monat um 14 Uhr nahe dem Eingang Kalkweg / Dünnwalder Mauspfad. In der Nähe des Wildparks, auf der anderen Seite des Dünnwalder Mauspfades, nutzt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald seit Anfang der 1960er-Jahre ein 4,3 Hektar großes Arboretum als Sammlung von Bäumen und Sträuchern. Zu sehen sind Gehölze gemäßigter Klimazonen, die sonst nicht in deutschen Wäldern vorkommen, etwa Taubenbaum, Magnolie, Tulpenbaum, Scheinbuche, Mammutbaum und Zeder. Ein Ziel der Anlage ist es, zu untersuchen, ob sich solche Bäume in deutschen Wäldern anpflanzen lassen.
Naturschutzgebiete im Wald
Am nördlichen Rand des Waldes, nahe der Stadtgrenze zu Leverkusen-Schlebusch, liegt das Naturschutzgebiet „Am Hornpottweg“. Die ehemalige Kiesgrube entwickelte sich in den 1980er-Jahren, wenige Jahre nach ihrer Stilllegung, zu einem Biotop für zahlreiche Tierarten, insbesondere Vögel. Neben einheimischen Vögeln nutzen viele Zugvögel die Grube als Rastplatz. Ein Rundweg umschließt sie und eröffnet Beobachtungsmöglichkeiten. Im Bergisch Gladbacher Stadtgebiet, beim Ortsteil Schildgen, liegt mit dem „Nittum-Hoppersheider Bruch“ ein weiteres Naturschutzgebiet im Dünnwalder Wald.
Zeitstrahl
- 1844Preußische Uraufnahme zeigt noch großflächig offene Heidegebiete
- 1893Preußische Neuaufnahme: weite Heideteile mit Waldkiefer aufgeforstet
- 1956Köln und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald stellen Aufforstungsprogramm auf
- Anfang der 1960erArboretum wird von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald genutzt
- 1980erEhemalige Kiesgrube Am Hornpottweg entwickelt sich zum wertvollen Biotop
- 1996Am 21. April Waldbrand auf einem kleinen Teil des Waldes
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