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© Raimond Spekking · CC BY-SA 4.0

Richmodis-Haus

Kölner Geschäftshaus mit zwei steinernen Pferdeköpfen im achteckigen Turm – sie erklären die Richmodis-Sage aus der Pestzeit.

Outdoor

Das Richmodis-Haus am Kölner Neumarkt ist vor allem mit der Richmodis-Sage aus der Pestzeit verbunden, die die beiden Pferdeköpfe im Turm erklärt.

Auf einen Blick

Art
Geschäftshaus mit Werksteinfassade
Lage
Köln-Altstadt-Nord, Neumarkt/Ecke Richmodstraße
Erbaut
1928/29 nach alten Vorbildern
Turm
achteckiger Treppenturm, 1928 erneuert
Besonderheit
zwei Pferdeköpfe in den Turmfenstern, im Kölschen „Päädsköpp“
Status
Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen
Wusstest du?

Als Richmodis von Aducht nach ihrer vermeintlichen Pestbestattung lebendig nach Hause zurückkehrte und ihr Ehemann ihr nicht glaubte, sagte er: „Eher steigen meine beiden Schimmel die Treppe hinauf in den Turm" – woraufhin die Pferde tatsächlich wieherten und aus den Turmluken schauten. Die Tiere wurden anschließend nicht etwa geschlachtet (für Rheinischen Sauerbraten, der traditionell aus Pferdefleisch gemacht wird), sondern per Flaschenzug sicher vom Turm herabgelassen.

Die Sage von Richmodis von Aducht

Die Sage spielt zur Zeit der Pest im 14. Jahrhundert. Richmodis von Aducht, eine Kölner Patrizierin aus der Familie Lyskirchen, galt während einer Pestwelle als verstorben und wurde zur Apostelnkirche gebracht. Als zwei Totengräber sie nachts bestehlen wollten, richtete sie sich auf und kehrte nach Hause zurück. Ihr Mann Mengis wollte erst glauben, dass seine totgeglaubte Frau vor der Tür stand, als eher seine beiden Schimmel die Treppe in den Turm steigen und herausschauen würden – worauf genau dies geschah. Daher schauen die Pferdeköpfe aus den Turmfenstern; bezeugt sind sie frühestens seit 1687.

© Arnold Mercator · Public domain

Das Ende der Geschichte

Der Sage zufolge wurden die Schimmel nicht zur rheinischen Spezialität Sauerbraten verarbeitet, für die im Rheinland traditionell Pferdefleisch verwendet wird, sondern mit einem Flaschenzug wieder sicher vom Turm herabgelassen.

© Autor/-in unbekannt Unknown author · Public domain

Wahrer Kern

Die Legende hat einen historischen Hintergrund. Im 14. Jahrhundert starb in Köln etwa die Hälfte der Bevölkerung – rund 20.000 Menschen – an der Seuche. Bei der chaotischen Leichenschau ging es nicht genau zu, sodass mancher Scheintote zu früh ins Grab gelangte.

Die Sage in der Stadtkultur

Die Richmodis-Sage lebt in Köln bis heute fort. An sie erinnert das Richmodis-Kölsch, dessen Marke REWE im Jahr 2012 wiederbelebte; das Logo zeigt die beiden Schimmel und das Gebäude. BAP-Sänger Wolfgang Niedecken setzte die Legende 2004 als Lied „Zwei Päädsköpp ahm Nümaat“ um.

Vorgängerbauten

Die Vorgängerbauten lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Im frühen 16. Jahrhundert entstand an dieser Stelle im Auftrag Kaiser Maximilians I. ein turmgeschmücktes Anwesen mit Erker, Sälen und Hauskapelle, das als kaiserliche Residenz diente und Namen wie „Hackeney’scher Hof“ oder „Palatium“ trug. Der dreiflügelige Palast besaß einen 28 Meter hohen achtseitigen Wendeltreppenturm – den ersten Turm dieser Art in Köln. Kaiser Karl V. übernachtete hier mehrfach; auch sein Bruder Ferdinand I. logierte ab dem 5. Januar 1531, als er sich wegen seiner Wahl zum römisch-deutschen König in Köln aufhielt. In der Hauskapelle hing ein 1515 von Joos van Cleve geschaffenes Altargemälde, das sich heute im Wallraf-Richartz-Museum befindet. Über die Zeit wurden die Bauten samt Turm wiederholt abgetragen und neu errichtet, sodass das heutige Haus aus den Jahren 1928/29 stammt.

Zeitstrahl

  1. 1409
    Johann van dem Buchel erwirbt den Hof „zume Heydenriche" am Neumarkt
  2. 1507–1508
    Nicasius Hackeney vereinigt beide Grundstücke und lässt Kaiserpalast errichten
  3. 1515
    Joos van Cleve malt Altargemälde für die Hauskapelle (heute Wallraf-Richartz-Museum)
  4. 1518
    Nicasius Hackeney stirbt; Einweihung des Anwesens erst Anfang 1520 vermutet
  5. 1520
    Kaiser Karl V. übernachtet erstmals im Palast (29. Oktober)
  6. 1531
    Erzherzog Ferdinand I. übernachtet wegen seiner Königswahl in Köln (5. Januar)
  7. frühestens 1687
    Pferdeköpfe im Turm erstmals urkundlich bezeugt
  8. 1928/29
    Heutiges Richmodis-Haus mit erneuertem achteckigem Turm nach alten Vorbildern erbaut

Karte

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Adresse

Richmodstraße 6
50667 Köln

Öffnungszeiten

So: 00:00–24:00

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-27