Overstolzenhaus
Das Overstolzenhaus in der Rheingasse ist ein um 1230 errichtetes romanisches Patrizierhaus und beherbergt heute die Kunsthochschule für Medien Köln.
Etwas versteckt in der Rheingasse 8 in der Altstadt-Süd steht mit dem Overstolzenhaus eines der ältesten Gebäude Kölns. Das romanische Patrizierhaus mit seinen markanten Stufengiebeln war über Jahrhunderte vor allem ein Wohnhaus.
Auf einen Blick
- Adresse
- Rheingasse 8, Altstadt-Süd
- Bauzeit
- um 1230
- Bauherrin
- Blithildis Overstolz mit ihrem Mann Werner von der Schuren
- Stil
- Romanik
- Maße
- 19,50 m lang, 14,50 m breit
- Besonderheit
- neben dem Trierer Dreikönigenhaus das älteste erhaltene Patrizierhaus Deutschlands
- Heutige Nutzung
- Kunsthochschule für Medien Köln (seit Oktober 1990)
Das kannst du hier erleben
- Romanisches Patrizierhaus bestaunen
- Markante Stufengiebel und verzierte Fassade fotografieren
- Die kunstvollen Doppelarkadenfenster entdecken
- Auf den Spuren eines der ältesten Gebäude Kölns wandeln
- Durch die versteckte Rheingasse in der Altstadt-Süd schlendern
Geschichte
Bauhistorische Untersuchungen datieren das Haus auf etwa 1230. Errichtet wurde es von Blithildis Overstolz (1175–1255), einer Tochter des Dynastie-Stammvaters Gottschalk Overstolz. Ihr Mann, der Ritter Werner von der Schuren, hatte bei der Hochzeit den Namen Overstolz angenommen. Nach seinem Aufstieg ins Schöffenkollegium baute das Paar das Haus zur Erinnerung sowie zur wirtschaftlichen Nutzung durch die Handelsfamilie. Die Overstolzen waren eine reiche Kaufmannsfamilie, die im Konflikt zwischen den Kölner Bürgern und der Kirche eine wichtige Vermittlerrolle einnahm.
In den Schreinsbüchern trug das Gebäude bis 1257 den Namen des Ritters und hieß Haus zur Scheuren. 1255 vermachten Werner und Blithildis es ihrem Sohn Johannes Overstolz.
Wechselnde Eigentümer
Über die Jahrhunderte gehörte das Haus zahlreichen Familien der Kölner Oberschicht. Nach den Overstolzen ging es 1337 an Everhard Hardevust, später folgten unter anderem Friedrich Wallrave (1424), Johann von der Reven (ab 1437), Johann Blitterswich (ab 1457 für 10.558 oberländische Gulden), Johann von Merle (ab 1458) sowie die Familie Hardenrath. Philipp Brassard kaufte es 1628 und verkaufte es 1668 wieder; danach übernahm Franz Sebastian Georg Freiherr von Leykam, kurfürstlich-kölnischer Gesandter und Rat.
Zweimal drohte dem Bau der Abriss. Unter von Leykam wurde er nur dadurch verhindert, dass der Eigentümer 1794 vor den anrückenden Franzosen nach Prag floh. Auch der letzte private Besitzer Burrenkopf plante 1838 einen Neubau. Der Rat der Stadt Köln beschloss jedoch am 13. März 1838 den Erwerb, der im Mai genehmigt wurde. Stadtbaumeister Johann-Peter Weyer übernahm Umbau und Restaurierung, die Ausschmückung der Räume gestaltete der Maler Michael Welter. Die Stadt überließ das Haus der Industrie- und Handelskammer zu Köln, die es zwischen 1843 und 1932 teilweise der Kölner Börse zur Verfügung stellte. Ab dem 5. Mai 1893 nutzte das Kölner Kunstgewerbemuseum einige Räume, bis es 1900 seinen Neubau am Hansaplatz beziehen konnte.
Bombenangriffe am 30. Mai 1942 lösten ein Feuer aus, das das Haus weitgehend zerstörte; von der Straßenfassade blieben nur Erdgeschoss und erstes Obergeschoss erhalten. Am 21. April 1955 beschloss der Rat den aufwändigen Wiederaufbau. Dabei kamen bedeutende romanische Wandmalereien zum Vorschein, die alle Zerstörungen überstanden hatten, weil sie hinter einer späteren Vermauerung verborgen lagen.
Gestaltung
Das Haus misst 19,50 Meter in der Länge und 14,50 Meter in der Breite; das breitere Seitenschiff hat eine Spannweite von 7,50 Metern. Die untere Hälfte der Fassade ist original erhalten, und die Gesamtform gilt als herausragendes Beispiel der deutschen Romanik. Der Bau umfasst einen zweischiffigen Keller, zwei Wohngeschosse und vier Speichergeschosse. Empfangs- und Verwaltungsräume lagen unten, darüber – hinter glaslosen, reich verzierten Fenstern – der prächtige Festsaal. In einem Raum ist eine romanische Wandmalerei mit weltlichem Motiv erhalten: ritterliche Turnierszenen, ein seltenes Beispiel für Schmuck dieser Epoche. Den oberen Abschluss der Fassade bildet der imposante Treppengiebel. Das Overstolzenhaus ist das einzig erhaltene romanische Patrizierhaus in Köln und gilt als das größte und architektonisch aufwendigste in Deutschland.
Anders als die Hofseite war die Straßenfassade aufwändig gestaltet: mit unterschiedlich geformten, verzierten Fenstern und einem Stufengiebel. Das baulich veränderte Erdgeschoss zeigt heute fünf rechteckige Fenster unter Rundbogenblenden mit eingestellten Säulen. Im Obergeschoss finden sich fünf Doppelarkadenfenster mit schlanken Säulen und Blattkapitellen, die ursprünglich mit Holzläden verschließbar waren, darüber kleine Rundfenster. Eine sogenannte Kleeblattblende fasst das Ganze in eine durchgehende Umrahmung.
Heute
Seit Oktober 1990 nutzt die neugegründete Kunsthochschule für Medien Köln das Gebäude; ein Nebengebäude beherbergt die Deutsche Gesellschaft für Photographie. In der Literatur diente das Overstolzenhaus als zentraler Schauplatz in Frank Schätzings historischem Kriminalroman „Tod und Teufel" von 1995.
Galerie
Karte
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Adresse
Rheingasse 8
Köln
Öffnungszeiten
Mo: 10:00–18:00
Di: 10:00–18:00
Mi: 10:00–18:00
Do: 10:00–18:00
Fr: 10:00–15:00
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-17
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