Keupstraße
Ort des NSU-Nagelbombenanschlags von 2004 in Köln-Mülheim, heute geprägt von Läden und Gastronomie türkisch- und kurdischstämmiger Unternehmer
Entstanden im späten 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung, wurde die Keupstraße im 20. Jahrhundert zu einer Straße, in der Wohnen und Geschäfte eng verbunden sind.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Lage
- rechtsrheinisch, Stadtteil und Stadtbezirk Mülheim
- Länge
- 890 Meter
- Verlauf
- im Bogen vom Zusammentreffen von Dünnwalder Straße und Mülheimer Freiheit bis zur Bergisch Gladbacher Straße nahe dem Wiener Platz
- Kreuzung
- durchtrennt vom Clevischer Ring (Teil der Bundesstraße 8)
- Früherer Name
- Wolfsstraße, umbenannt am 9. April 1913
- Benannt nach
- Maria Sibylle Petronella Keup
Die Keupstraße hieß ursprünglich Wolfsstraße und wurde erst 1913 nach Maria Sibylle Petronella Keup benannt, einer kinderlosen Witwe, die 1870 ihr Haus samt Garten und Geld für den Bau des Dreikönigshospitals stiftete, des ältesten Mülheimer Krankenhauses.
Der Anschlag vom 9. Juni 2004
Bei einem Nagelbombenanschlag in der Keupstraße wurden am 9. Juni 2004 22 Menschen verletzt. Dadurch wurde die Straße bundesweit bekannt. Die Tat wurde später der rechtsterroristischen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zugerechnet. Sie gilt als ein zentrales Ereignis in der deutschen Auseinandersetzung mit rechtsextremem Terrorismus und institutionellem Rassismus.
Vom Arbeiterviertel zur Geschäftsstraße
Mit Betrieben der Metallverarbeitung, etwa der Drahtseilerei „Felten & Guilleaume“ ab 1874, kamen viele meist ungelernte Arbeiter nach Mülheim. Ihre Wohnhäuser entstanden entlang einer Landstraße von Mülheim nach Buchheim. Wo die Straße heute auf die Bergisch Gladbacher Straße trifft, lag damals außerhalb der Stadtgrenze der evangelische Friedhof. Das Carlswerk ließ zwischen 1874 und 1900 Mietskasernen mit einfachem Wohnstandard bauen, die in Nr. 97 bis 117 bis heute stehen. Viele Häuser waren von Beginn an auch für kleine Läden und Werkstätten gedacht. Die Straße galt früh als „verrufen“, prosperierte aber als Einkaufsstraße für den täglichen Bedarf.
Frühes Straßenleben
Um 1902 führte Jakob Saal in Nr. 53 und 55 das Restaurant „Zur Erholung“, im Nebengebäude betrieb sein Bruder Thomas eine Metzgerei. 1908 eröffnete in Nr. 69 das Central Lichtspielhaus, das vermutlich 1937 schloss. Von 1911 bis Ende der 1920er Jahre fuhr eine elektrische Straßenbahn als Ringbahn durch die Straße.
Namensgeberin und Hospital
Maria Sibylle Petronella Keup (1811–1890) betrieb mit ihrem Mann Kaspar am Beginn der damaligen Wolfsstraße einen Getreidehandel. Durch den Verkauf von Agrarflächen an Eisenbahngesellschaften und an Guilleaume kam das Paar zu erheblichem Vermögen. 1870 stiftete die kinderlose Witwe Haus, Garten und Geld für das katholische Dreikönigshospital, das als ältestes Mülheimer Krankenhaus bis 1975 bestand. Seit 1984 steht dort (Nr. 2a/4) das Norbert-Burger-Seniorenzentrum des Arbeiter-Samariter-Bundes.
Heute und Umgebung
Bekannt ist die Keupstraße heute vor allem für Einzelhandel und Gastronomie, getragen überwiegend von türkisch- und kurdischstämmigen Unternehmern. In der Nähe liegt das Schanzenviertel, ein ehemaliges Industrieviertel des 19. Jahrhunderts mit kulturellen Einrichtungen wie dem Kölner Schauspiel und dem E-Werk sowie jungen Unternehmen, unter anderem aus der Medienbranche.
Zeitstrahl
- 1870Witwe Keup stiftet Haus und Geld für das Dreikönigshospital
- 1874–1900Carlswerk errichtet Mietskasernen Keupstraße 97–117 für Arbeiter
- 1899Kölner Stadtplan verzeichnet die Straße noch als Wolfsstraße
- 1908Central Lichtspielhaus (Kino) eröffnet in der Keupstraße 69
- 1911Straßenbahn fährt durch die Keupstraße (bis Ende der 1920er)
- 1913Umbenennung von Wolfsstraße in Keupstraße (9. April)
- 1914Mülheim wird nach Köln eingemeindet (1. April)
- 2004Nagelbombenanschlag am 9. Juni, 22 Verletzte; später dem NSU zugerechnet
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