Judenbüchel
Ehemaliger jüdischer Friedhof in Köln-Raderberg, im Mittelalter auch Hinrichtungsstätte. Heute steht auf dem Gelände die Kölner Großmarkthalle.
Im Kölschen hieß der Ort „Dude Jüd“, übersetzt „Toter Jude“. Daneben ist auch die Bezeichnung Judenhügel überliefert.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- ehemaliger jüdischer Friedhof
- Lage
- Köln-Raderberg, Stadtbezirk Rodenkirchen
- Älteste Überlieferung
- Mitte des 12. Jahrhunderts
- Weitere Nutzungen
- Hinrichtungsstätte, Ort für Hochzeiten und Turniere, Siechenhaus
- Heute
- Gelände der Kölner Großmarkthalle
- Gedenkorte
- Friedhof Bocklemünd und Haupttor des Großmarktes
Nach der Zerstörung der Grabsteine bei den Pogromen von 1349 diente der Friedhof ab 1474 sogar als öffentliche Hinrichtungsstätte der Stadt Brühl, obwohl Erzbischof Engelbert II. dies 1266 per Dekret verboten und die Unantastbarkeit der Begräbnisstätte zugesichert hatte; bei Bauarbeiten 1922 fand man dort Skelette von Hingerichteten.
Anfänge und Pestpogrom
Wann der Friedhof angelegt wurde und wie groß er genau war, ist nicht dokumentiert. Die älteste Quelle nennt eine Hofanlage, neben der die Begräbnisstätte liegen sollte. Für 1174 ist eine Erweiterung um fünf Morgen Land urkundlich belegt. Das Grundstück gehörte dem Propst von St. Severin, an den die jüdische Gemeinde jährlich Pacht zahlte. Als den Juden 1349 die Schuld an der Pest gegeben wurde, stürmten Kölner Bürger das jüdische Viertel, plünderten es und ermordeten viele Bewohner. Die Grabsteine wurden geschändet und als Baumaterial verwendet. Erst 1372 erhielt die neu etablierte Gemeinde den Friedhof zurück.
Nach der Vertreibung
Auch nachdem die Juden 1424 aus Köln vertrieben worden waren und sich im rechtsrheinischen Deutz niedergelassen hatten, fanden hier weiterhin Bestattungen statt. Während der Belagerung Kölns durch Karl von Burgund wurde der Friedhof 1474 zerstört. Nach Deutz verlegt wurde die Begräbnisstätte dennoch erst Ende des 17. Jahrhunderts.
Hinrichtungsstätte
Ab 1163 sind auf dem Gelände öffentliche Hinrichtungen verzeichnet. Erzbischof Engelbert II. verbot sie 1266 per Dekret und sicherte der jüdischen Gemeinde die Unantastbarkeit ihrer Begräbnisstätte zu. Laut Wikipedia nutzte ab 1474 das Gericht der Stadt Brühl den Ort wieder für öffentliche Hinrichtungen und zahlte dafür an das Severinsstift die Pacht, die zuvor die jüdische Gemeinde entrichtet hatte. Eine weitere Hinrichtungsstätte gab es gegenüber dem heutigen Melaten-Friedhof.
Fest- und Turnierplatz
Wegen der verkehrsgünstigen Lage wurde die freie Fläche auch für größere weltliche Veranstaltungen genutzt. So fanden hier Hochzeiten und Turniere statt, für 1384 ist ein öffentliches Turnier belegt. Ein Siechenhaus auf dem Gelände wird 1463 erstmals erwähnt.
Freilegung und Erinnerung
Bei Bauarbeiten für den Güterbahnhof Bonntor und beim Ausbau der Straße kam der Friedhof 1922 wieder zum Vorschein. Dabei fand man auch Skelette von Hingerichteten, die Gebeine der Toten wurden umgebettet. Nach Schändungen zwischen 1928 und 1934 wurde 1936 die endgültige Auflassung beschlossen. Gebeine und einige Grabsteine kamen auf den jüdischen Teil des Friedhofs in Bocklemünd, wo mit der Zeit ein Gedenkstein angebracht wurde. Ebenfalls 1936 entstand auf dem Friedhofsgelände der Großmarkt Raderberg, an dessen Haupttor eine weitere Gedenktafel an den Judenbüchel erinnert.
Zeitstrahl
- 1163Erste Hinrichtungen auf dem Friedhof verzeichnet
- 1174Erweiterung des Friedhofs um fünf Morgen Land
- 1266Erzbischof Engelbert II. verbietet Hinrichtungen per Dekret
- 1349Pestpogrom: Grabsteine geschändet und als Baumaterial genutzt
- 1372Friedhof wird der neuen jüdischen Gemeinde zurückgegeben
- 1474Zerstörung bei Belagerung durch Karl von Burgund; Hinrichtungen wieder
- 1922Friedhof durch Bauarbeiten freigelegt, Gebeine umgebettet
- 1936Endgültige Auflassung; Gebeine nach Bocklemünd umgebettet
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