Stahlkirche (Pressa 1928)
1928 stand auf dem Kölner Pressa-Gelände in Deutz eine Kirche fast vollständig aus Stahl und Glas – ein Bau von Otto Bartning, der nur wenige Monate blieb und heute im Rheinpark keine Spuren mehr hinterlässt.
Zur Internationalen Presseausstellung Pressa entstand 1928 auf dem Kölner Messegelände in Deutz ein Kirchenbau, wie ihn die Stadt weder vorher noch nachher gesehen hat: eine Konstruktion im Wesentlichen aus Stahl und Glas. Sie blieb nur die Dauer der Ausstellung in Köln und wurde danach nach Essen versetzt – in der Domstadt ist von ihr nichts erhalten.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Anlass
- Internationale Presseausstellung Pressa (Mai–Oktober 1928)
- Standort
- Messegelände Köln-Deutz, heute Rheinpark
- Architekt
- Otto Bartning
- Bauweise
- Saalkirche auf parabelförmigem Grundriss aus Stahl und Glas
- Einweihung in Köln
- 31. Mai 1928
- Weiterer Weg
- 1931 als Melanchthonkirche in Essen aufgestellt, 1942 zerstört
- Kölner Nachhall
- Vorbild der Christuskirche im Belgischen Viertel (1951)
Von den fünf Glocken der Kirche wurden nach der Zerstörung zwei geborgen; durch eine mit der Inschrift „Friede auf Erden" verläuft seither ein tiefer Riss – heute stehen beide als Mahnmal neben dem Essener Nachfolgebau.
Das kannst du hier erleben
- Im Rheinpark in Deutz spazieren gehen, wo 1928 das Pressa-Gelände mit der Stahlkirche lag
- Die Christuskirche im Belgischen Viertel besuchen, die 1951 nach dem Vorbild der Stahlkirche als Stahlbau errichtet wurde
- Den Kölner Messeturm in Deutz als weiteres erhaltenes Pressa-Bauwerk von 1928 ansehen
Ein Kirchenbau für eine Ausstellung
Die Pressa zog von Mai bis Oktober 1928 rund 1.500 Aussteller aus 43 Ländern nach Köln-Deutz, auf ein Messegelände, das erst vier Jahre zuvor eröffnet worden war. Eigens für die Schau entstanden zahlreiche neue, teils richtungsweisende Gebäude – neben dem Kölner Messeturm auch die Stahlkirche. Otto Bartning, im Kirchenbau bereits erfahren, sollte einen Ausstellungsbau entwerfen, der sich später andernorts wieder aufbauen ließ. Er entwarf eine Saalkirche auf parabelförmigem Grundriss mit erhöhtem Altarraum in der Rundung und einem vorgesetzten Doppelturm-Riegel. Am 31. Mai 1928 wurde sie eingeweiht, in der zeitgenössischen Literatur oft schlicht „Pressakirche" genannt, und diente als Ausstellungsraum für das evangelische Pressewesen.
Stahl, Kupfer und über 600 Fensterfelder
Der Bau wurde in Köln aus vorproduzierten Stahlteilen vor Ort montiert. Dazu gehörten Stahlträger von rund 20 Metern Höhe, außen mit Kupfer verkleidet. Zwischen die Stützen setzten die Baumeister raumhoch über 600 bleiverglaste Fensterfelder, gestaltet von der Glasmalerin Elisabeth Coester. Die Orgel lieferte W. Sauer aus Frankfurt (Oder), die Glocken kamen von Franz Schilling & Söhne in Apolda. Hans Wissel, damals Professor an den Kölner Werkschulen, schuf ein überlebensgroßes expressionistisches Kruzifix sowie Altar und Kanzel; auf der Kanzel erschienen die Symbole der vier Evangelisten – Mensch beziehungsweise Engel für Matthäus, Löwe für Markus, Stier für Lukas und Adler für Johannes.
Vom Highlight der Pressa zum Bau in Essen
Gemeinsam mit Erich Mendelsohns Pavillon für das Verlagshaus Rudolf Mosse galt die Stahlkirche in Architekturkreisen als Höhepunkt der Pressa und machte Bartning international bekannt. Nach dem Ende der Ausstellung wurde sie abgebaut und kostenfrei der Gemeinde Essen-West übereignet. In Essen-Holsterhausen entstand sie neu und wurde am 22. März 1931 als Melanchthonkirche eingeweiht, benannt nach dem Reformator Philipp Melanchthon. Unter dem Einfluss der Deutschen Christen distanzierte sich die Gemeinde ab 1935 von der expressionistischen Formensprache; der Corpus des Altarkreuzes wurde im Dezember 1935 entfernt. Am 9. März 1942 traf der Bau als erstes Essener Gotteshaus verheerend von Brandbomben, brannte aus und wurde später verschrottet.
Was in Köln geblieben ist
Auf dem einstigen Pressa-Gelände in Deutz erstreckt sich heute der Rheinpark – von der Stahlkirche selbst ist dort nichts mehr zu finden. Ihr architektonisches Echo hallt jedoch bis heute in der Stadt nach: Die Christuskirche im Belgischen Viertel wurde 1951 nach dem Vorbild der Stahlkirche als schlichter Stahlbau errichtet und macht Bartnings Kölner Idee im Stadtbild noch nachvollziehbar.
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