Heizwerk Köln-Südstadt
Das erste große Kraftwerk auf Wechselstrombasis in Deutschland nahm 1891 in der Kölner Südstadt den Betrieb auf – heute ist es ein aktives Fernwärmewerk.
Nachdem ab 1880 die mittelalterliche Stadtmauer und die vorgelagerten Wälle gefallen waren, wurde ein ganzer Baublock für neue kommunale Versorgungsbauten reserviert. Neben der Fernwärme liegt auf dem Gelände bis heute auch die Trinkwasserversorgung der Kölner Innenstadt.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Historisches, weiterhin aktives Fernwärmewerk
- Lage
- Südstadt, Stadtbezirk Innenstadt; Baublock zwischen Zugweg, Bonner Wall und Ohmstraße
- Bauzeit
- 1883 bis 1909
- Architekt
- u. a. Heinrich Deutz
- Trinkwasser
- Unterirdisches Reservoir mit 20.000 Kubikmetern
- Stromerzeugung
- Bis Ende 2017
Die Straßenbahn allein verbrauchte 1903 rund 62 Prozent des im Heizwerk erzeugten Wechselstroms – der weitaus größte Kunde des jungen Kraftwerks.
Pionier des Wechselstroms
Mit einer Leistung von rund 1,2 Megawatt war die Anlage bei ihrem Start das erste große Kraftwerk Deutschlands, das auf Wechselstrom setzte. Am 12. September 1891 floss der erste Strom in den Kölner Volksgarten und beleuchtete dort den 21. Deutschen Juristentag. Regulär ging das Werk am 1. Oktober 1891 in Betrieb. Zunächst wurden vor allem die Altstadt und die Ringe versorgt: Teile der öffentlichen Beleuchtung, kleinere Motoren in Handwerk und Fabriken sowie Lampen in einigen Haushalten.
Wachstum durch die Straßenbahn
Neue Stadtteile, Handwerk und Industrie verlangten bald mehr Strom, weshalb weitere Generatoren hinzukamen. Ab Oktober 1901 fuhr die erste elektrische Straßenbahn Kölns; zwei Jahre später verbrauchte sie allein rund 62 Prozent des hier erzeugten Wechselstroms. Bis 1909 zählte das Werk 6.078 Abnehmer, wobei die Verkehrsbetriebe mit 49 Prozent weiterhin größter Kunde waren.
Bauten und Architektur
Als erstes Gebäude entstand 1883/84 das Pumpenhaus des Wasserwerks Severin I, 1890/91 folgte das erste Elektrizitätswerk. Die frühen Bauten mit gelben Backsteinfassaden lehnen sich an deutsche Renaissance und Klassizismus an. Die späteren Gebäude aus rotem Backstein greifen ältere Stile auf: das zweite Elektrizitätswerk romanische, das Elektrizitätswerk mit den Wechselstromgeneratoren neugotische Formen; Letzteres wurde in den 1970er Jahren teilweise rekonstruiert. Errichtet und betrieben wurde das Gelände von der „Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke Köln AG (GEW)“.
Krieg und Wiederaufbau
Der letzte Bombenangriff am 2. März 1945 beschädigte viele Gebäude, Köln war elf Tage ohne Strom. Ein Dieselaggregat der Militärregierung setzte Kessel VII wieder in Gang, und am 30. März 1945 wurde ein Sechs-Kilovolt-Kabel vom Umspannwerk Pius in Ehrenfeld bis zum Zugweg geschaltet. Ein Generator lief im November 1945 nur kurz, weil Öl und Kohle fehlten. Erst 1949 waren beide Generatoren wieder am Netz.
Vom Kraftwerk zum Heizwerk
Seit der Modernisierung 1963/64 liefert die Anlage auch Fernwärme; im Oktober 1966 wurde der WDR einer der ersten großen Kunden. 1994 folgte der Umbau zu einer Gas- und Dampfturbinenanlage aus Gasturbosatz, Abhitzedampferzeuger mit Zusatzfeuerung und Dampfturbosatz. Bis Ende 2016 erzeugte sie mit Kraft-Wärme-Kopplung auf Erdgasbasis jährlich rund 100.000 MW Strom. Die Stromerzeugung endete, als die neue Anlage „Niehl 3“ des 1977 errichteten Heizkraftwerks Köln-Niehl in Betrieb ging.
Zeitstrahl
- 1883/84Bau des Pumpenhauses des Wasserwerks Severin I
- 1890/91Errichtung des Elektrizitätswerks (Zentrale 1)
- 1891Erster Strom am 12. September, regulärer Betrieb ab 1. Oktober
- 1898–1900Bau des zweiten Elektrizitätswerks (Zentrale 2)
- 1901Erweiterung um Pumpwerk Severin II mit Trinkwasserreservoir
- 1926Stilllegung und Erneuerung der veralteten Wechselstromanlage
- 1945Bombardement am 2. März, Wiederinbetriebnahme der Generatoren 1949
- 1994Umbau zum modernen Kombi-Heizkraftwerk mit Gasturbine
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