Max-Bruch-Straße 8
Haushälfte der Doppelvilla, die Konrad Adenauer und Max Berndorff um 1910 bauen ließen – später NSV-Schwesternheim und Dienstwohnungen des Landes NRW.
Gemeinsam mit dem südlich angrenzenden Haus Nr. 6 bildet das Gebäude ein Ensemble. Es gehört zu den nach schweren Kriegszerstörungen nur noch in Fragmenten überlieferten Resten der Lindenthaler Villenbebauung.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Halbvilla, Teil eines Doppelhauses
- Lage
- Ostseite der Max-Bruch-Straße, Köln-Lindenthal
- Baujahr
- um 1910
- Bauherren
- Konrad Adenauer und Max Berndorff
- Spätere Nutzung
- Schwesternheim der NSV, nach 1945 drei Dienstwohnungen des Landes
- Status
- Baudenkmal
Die Doppelvilla ließ 1909/1910 der damalige Erste Beigeordnete Konrad Adenauer gemeinsam mit seinem späteren Nachfolger Max Berndorff errichten; Berndorff löste Adenauer 1912 mit nur 34 Jahren als jüngster Beigeordneter Kölns ab. Später wohnte im Haus 1980 bis 1998 der Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes, über dessen Miete ein langer Rechtsstreit entbrannte.
Ein Viertel am Stadtwald
Der Stadtwald wurde von 1895 bis 1898 angelegt. Danach wuchsen die Villenviertel in seinem Umfeld bis zum Ersten Weltkrieg auf ihren größten Umfang. Max-Bruch-Straße und Brahmsstraße zählen zu den letzten Erweiterungen vor Kriegsbeginn. Das Bauland stammte überwiegend aus den früheren Gütern Kitschburg und dem Rittergut Hohenlind der Bankiersfamilie von Stein.
Zwei Bauherren aus der Stadtverwaltung
1909/1910 kauften Adenauer und Berndorff zwei nebeneinanderliegende Baugrundstücke von je rund 1100 m² und ließen darauf eine Doppelvilla errichten. Adenauer konnte sich das erst nach seiner Wahl zum Ersten Beigeordneten am 22. Juli 1909 leisten: Sein Jahresgehalt betrug 15.000 Mark und wurde von der Stadtverordnetenversammlung um 3.000 Mark erhöht. Der 1878 in Köln geborene Jurist Berndorff war seit 1908 als Gerichtsassessor bei der Stadt tätig. Seine Haushälfte Nr. 8 besaß er nur wenige Jahre. Am 12. September 1912 folgte er Adenauer mit 34 Jahren als damals jüngster Beigeordneter nach und zog nach 1914 in die Theresienstraße 16.
Familie Goldstein und Verkauf
Vor 1918 kaufte der jüdische Kaufmann Moritz Goldstein die Haushälfte. Nach seinem Tod 1934, als erste Beschränkungen der neuen Machthaber gegen Juden bereits nachhaltig wirkten, zog seine Witwe Sophie zu ihrem Sohn Kurt in die Aachener Straße 392/394. Das Haus stand zunächst leer. Möglicherweise vermittelte Rechtsanwalt Moritz Weinberg, Verwalter der Erben, den Kontakt zur Westdeutschen Bodenkreditanstalt, die das Haus vermutlich 1936 erwarb. Sie vermietete es an Generalleutnant Fritz Kühne, der am 7. März 1936 das Kommando der 26. Infanterie-Division übernommen hatte.
Vom Schwesternheim zur Landesimmobilie
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ging die Haushälfte augenscheinlich in das Eigentum der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt über, die darin ein Schwesternheim einrichtete. Nach dem Verbot der NSV durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurde ihr Besitz beschlagnahmt. Das Land Nordrhein-Westfalen trat als Eigentümer die Rechtsnachfolge an. In drei Dienstwohnungen brachte es Angehörige des höheren Dienstes von Landesdienststellen unter, etwa aus Ministerien, der Universität oder der Bezirksregierung Köln.
Bewohner nach dem Krieg
Anfang der 1950er Jahre lebten hier neben einer Witwe Ministerialdirigent Felix Schwering mit seiner Frau sowie Felix Elieser Shinnar, Leiter der Israel-Mission in Köln. Die Adressbücher bis 1966 nennen allerdings nur Maria Schwering und den Oberarzt Prof. Hans Heinrich Wieck. Später folgten der Neurologe Gert Huffmann und ab 1980 Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes, der die rund 170 m² große Erdgeschosswohnung mit 600 m² Garten nutzte. 1998 kam es zu einem Rechtsstreit um die Marktgerechtigkeit seiner Miete, und das Land bot die Immobilie zum Verkauf an. Zur Nutzung nach 1998 liegen keine Angaben vor.
Zeitstrahl
- 1909/1910Adenauer und Berndorff erwerben Grundstücke und lassen Doppelvilla errichten
- um 1910Bau der Halbvilla Max-Bruch-Straße 8
- vor 1918Kaufmann Moritz Goldstein erwirbt die Haushälfte
- 1934Tod Moritz Goldsteins; Witwe zieht aus, Haus bleibt zunächst unbewohnt
- 1936Westdeutsche Bodenkreditanstalt kauft vermutlich das Haus, Vermietung an Fritz Kühne
- 1939Haus gelangt vermutlich an die NSV, Einrichtung eines Schwesternheims
- 1945NSV verboten, Besitz beschlagnahmt; Land NRW wird Eigentümer, drei Dienstwohnungen
- 1998Rechtsstreit um Miete Antwerpes; Land bietet Immobilie zum Verkauf an
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