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Dieses Bauwerk existiert heute nicht mehr – der Eintrag erzählt seine Geschichte.
© Autor/-in unbekannt Unknown author · Public domain

St. Maria in Jerusalem

Ehemalige Ratskapelle am Kölner Rathausplatz, hervorgegangen aus der mittelalterlichen Synagoge nach der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung 1424 — im Zweiten Weltkrieg zerstört.

St. Maria in Jerusalem war die Kapelle des Kölner Rats am heutigen Rathausplatz. Sie ging aus der mittelalterlichen Synagoge der Stadt hervor, die nach der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung 1424 zur Kirche umgeweiht wurde; im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört.

Auf einen Blick

Art
Ehemalige Ratskapelle (nicht mehr vorhanden)
Lage
Am heutigen Rathausplatz, Altstadt-Nord
Ursprungsbau
Synagoge, errichtet 1012–1040
Umwidmung
1424–1426, nach Vertreibung der jüdischen Gemeinde
Weihe als Kapelle
1426, am Fest Mariä Geburt
Nutzung
Gottesdienste und Totenfeiern des Rats bis 1798
Bekanntestes Kunstwerk
Stefan Lochners „Altar der Stadtpatrone“ (1445), heute im Kölner Dom
Ende
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
Wusstest du?

Der weltberühmte „Altar der Stadtpatrone“ von Stefan Lochner, heute eines der Hauptwerke im Kölner Dom, wurde 1445 ursprünglich für die kleine Ratskapelle St. Maria in Jerusalem gemalt – erst nach deren Auflösung zog er 1810 in die Kathedrale um.

Das kannst du hier erleben

  • Am Rathausplatz den einstigen Standort der Ratskapelle aufsuchen
  • Im Kölner Dom den hier entstandenen Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner betrachten
  • Sich mit der Geschichte des mittelalterlichen jüdischen Viertels rund um das Rathaus beschäftigen

Von der Synagoge zur Ratskapelle

Die Kölner Synagoge im damaligen jüdischen Viertel war zwischen 1012 und 1040 errichtet und nach Pogromen im 14. Jahrhundert erneuert worden. Nachdem der Rat 1423/24 die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung beschlossen und durchgesetzt hatte, ließ er das Gebäude zu einer eigenen Kapelle für die Ratsherren umbauen. Der Chronist Johann Koelhoff hielt 1487 fest, dass „die (ehemalige) Kölner Synagoge... zur Ehre unserer Lieben Frau“ geweiht wurde – daher der Name „zu Jerusalem“. Bis dahin hatten die Ratsherren für ihre Andachten die kleinere Michaelskapelle über der Marktpforte genutzt.

© HOWI - Horsch, Willy · CC BY 3.0

Kapelle des Rats

Bis zur Profanierung 1798/99 war St. Maria in Jerusalem das Gotteshaus der Ratsherren für tägliche Andachten sowie für Totenfeiern verstorbener Bürgermeister und Ratsmitglieder. Die Kapelle lag unmittelbar am Rathaus und war durch bauliche Verbindungen mit dem benachbarten Archivbau und dem späteren „Spanischen Bau“ verknüpft. Über Jahrhunderte wurde sie mit Stiftungen und auch mit eingetriebenen Strafgeldern erweitert und ausgestattet, etwa 1614 mit einer neuen Empore auf Marmorpfeilern.

© Stadt Köln · CC BY-SA 3.0

Der Altar der Stadtpatrone

1445 schuf der Kölner Maler Stefan Lochner für die Ratskapelle ein Triptychon mit den Stadtpatronen – heute als „Altar der Stadtpatrone“ eines der bekanntesten Werke der Kölner Malerei. Es schmückte die steinerne Altarmensa der kleinen Kapelle, bis es nach der Säkularisation auf Antrag der Dompfarre 1810 in den Kölner Dom überführt wurde, wo es bis heute zu sehen ist.

© Weyer-Wünsch · Public domain

Nachnutzung und Zerstörung

Nach der Profanierung 1798/99 diente das Gebäude zunächst als städtisches Magazin, unter anderem für die Wallrafsche Steinsammlung, später als Vereinsheim eines Männergesangvereins, als Sitz der altkatholischen Gemeinde (1877–1907) und ab 1931 – auf Betreiben Konrad Adenauers – als Kirche der anglikanischen Gemeinde Kölns bis zum Kriegseintritt Englands. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kapelle bis auf wenige Reste zerstört; ihre Glocke kam später in den Glockenturm der Kapelle auf dem Friedhof Melaten, die ihr baulich ähnelt.

© Stadt Köln · CC BY-SA 3.0

Zeitstrahl

  1. 1012–1040
    Bau der Synagoge im jüdischen Viertel Kölns
  2. 1423/24
    Vertreibung der jüdischen Bevölkerung durch den Rat
  3. 1424–1426
    Umbau des Gebäudes zur Ratskapelle
  4. 1426
    Weihe als „St. Maria in Jerusalem“
  5. 1445
    Stefan Lochner malt den „Altar der Stadtpatrone“ für die Kapelle
  6. 1798/99
    Profanierung der Kapelle in der Franzosenzeit
  7. 1810
    Der Lochner-Altar wird in den Kölner Dom überführt
  8. 1931
    Nutzung durch die anglikanische Gemeinde Kölns

Galerie

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© Arnold Mercator · Public domain · Commons

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-07-03

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