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Dieses Bauwerk existiert heute nicht mehr – der Eintrag erzählt seine Geschichte.
© Chris06 · CC BY-SA 4.0

St. Maria ad Ortum

Abgegangene spätromanische Klosterkirche der Kölner Zisterzienserinnen vom „Mariengarten" — der Konvent ging aus einer älteren Niederlassung in Riehl hervor.

Maria ad Ortum (lateinisch für „Maria beim Garten") war die Klosterkirche des Zisterzienserinnenklosters „Mariengarten" in der Kölner Innenstadt. Der Konvent erscheint 1220 zunächst als „conventus de Rile" (Riehl) und wurde erst später an den „Mariengarten" verlegt; nach der Säkularisation wurden Kirche und Kloster abgebrochen, erhalten blieben ein Straßenname und eine Kapelle mit dem alten lateinischen Namen.

Auf einen Blick

Art
Ehemalige Klosterkirche eines Zisterzienserinnenklosters
Lage
Köln, Altstadt-Nord (Stadtbezirk Innenstadt), an der heutigen Mariengartengasse
Ursprung
1220 als Konvent „de Rile" (Riehl) erwähnt, um 1233 am „Mariengarten" konstituiert
Bauzeit der Kirche
zwischen 1244 und 1260
Bauform
dreischiffig, spätromanisch, mit halbrundem Chor und Dachreiter
Ende
Kloster 1802 aufgehoben, Kirche und Gebäude nach 1805 niedergelegt
Wusstest du?

Schon 1236 – nur drei Jahre nach der Klostergründung – verließen 31 Jungfrauen auf einmal das Kloster Mariengarten, um die nahe Neugründung in Burbach zu besiedeln: ein Massenexodus, der zeigt, wie überlaufen das Kölner Kloster nach seiner Gründung war.

Vom Riehler Konvent zum Mariengarten

Der Name des Klosters taucht 1220 zunächst als „conventus de Rile" auf; zugleich nennen die Schreinsbücher Nonnen „vom Mariengarten". Erzbischof Engelbert I. ermöglichte den Nonnen eine Um- und Ansiedlung auf erzbischöflichem Grund im Kirchspiel St. Kolumba, sodass für eine Übergangszeit zwei Niederlassungen bestanden. Um 1233 konstituierte sich am „Mariengarten" das Kloster der Zisterzienserinnen; ein Schreinseintrag um 1246 hält fest, dass dieser Konvent vorher „von Riehl" genannt wurde und sich dort befunden hatte.

© Horsch, Willy · CC BY 2.5

Lage und Umgebung

Kirche und Klostergebäude standen innerhalb der römischen Stadtmauer, unweit eines „Lysolphturm" genannten Wehrturms der Nordmauer. Der von Baumgärten umstandene Konvent lag zwischen der heutigen Mariengartengasse und der heutigen Burgmauer. Die Klosterimmunität reichte von Röhrergasse und Kupfergasse im Süden bis An der Burgmauer im Norden, begrenzt von Langgasse im Westen. Trotz der ruhigen Randlage am damaligen Stadtrand waren die Hohe Straße, die Märkte Alter Markt und Heumarkt sowie der Kölner Dom rasch erreichbar.

© Horsch, Willy · CC BY 2.5

Geschichte des Klosters

Um 1233 unterstellte Erzbischof Heinrich von Müllenark den Konvent dem Generalabt von Cîteaux, womit er die gleichen Privilegien wie ein Männerkloster erhielt. Die geistliche Aufsicht übernahmen die Vateräbte benachbarter Abteien, seit dem 16. Jahrhundert durchgehend die Abtei Kamp. Viele Ordensfrauen stammten aus Adels-, Bürgermeister- und Patrizierfamilien; durch eingebrachtes Erbe und Schenkungen gelangte der Konvent zu Wohlstand. 1236 zogen einunddreißig Nonnen in die Neugründung Marienborn in Burbach über. 1244 stellte Papst Innozenz IV. das Kloster unter seinen besonderen Schutz.

© Joh. Finkenbaum · Public domain

Die spätromanische Kirche

Die dreischiffige Kirche entstand zwischen 1244 und 1260 anstelle einer kleinen Klosterkapelle. Ein Ablass des Erzbischofs Konrad von Hochstaden half den Zisterzienserinnen, den Bau fertigzustellen. Als Förderer traten die Grafen von Neuenahr auf, deren Hofgut an der Ecke Lang- und Schwalbengasse stand.

© Johann Valentin Reinhardt (1712-1769), Kölner Stadtplan, Nürnberg 1752 · Public domain

Wissenswertes

Um 1323/24 predigte wahrscheinlich Meister Eckhart bei den Kölner Zisterzienserinnen. Unter Äbtissin Elisabeth Titz wurde das Kloster 1452 reformiert und die Klausur wieder konsequent eingeführt.

Zeitstrahl

  1. 1220
    Klostername erstmals urkundlich als „conventus de Rile" erwähnt
  2. 1233
    Konstituierung als Zisterzienserinnnenkloster; Inkorporation in den Orden
  3. 1236
    31 Nonnen siedeln in die Neugründung Kloster Marienborn in Burbach über
  4. 1244
    Papst Innozenz IV. stellt das Kloster unter besonderen päpstlichen Schutz
  5. 1244–1260
    Bau der dreischiffigen spätromanischen Klosterkirche Maria ad Ortum
  6. 1323/24
    Meister Eckhart predigt wahrscheinlich bei den Kölner Zisterzienserinnen
  7. 1452
    Klosterreform unter Äbtissin Elisabeth Titz; Klausur wieder eingeführt
  8. 1802
    Aufhebung des Klosters infolge der Säkularisation
  9. nach 1805
    Kirche und Klostergebäude werden abgerissen

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