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St. Johann Evangelist

Abgerissene Pfarrkirche, die einst südlich des Doms auf dem Domhof stand und zeitweise als Hauskapelle des Erzbischofs diente.

St. Johann Evangelist war eine Pfarrkirche und Pfarrei in Köln, die auf der Südseite des Doms auf dem Domhof stand. Zeitweilig diente sie als Hauskapelle des Kölner Erzbischofs.

Auf einen Blick

Art
Ehemalige Pfarrkirche und Pfarrei
Lage
Domhof, südlich des Kölner Doms (Altstadt-Nord, Innenstadt)
Ursprung
Um 1000 als doppelgeschossige Pfalzkapelle errichtet
Benannt nach
Johannes dem Evangelisten
Barockbau
1744–1747 nach Brand neu errichtet
Abbruch
1828/1829
Wusstest du?

Als die Kirche 1828/1829 für die Freilegung des Kölner Doms abgerissen wurde, kaufte ein Ehepaar die gesamte Innenausstattung – Altäre, Kanzel, Beichtstühle und Kommunionbank – offenbar schon in der Planungsphase für einen Kirchenneubau in Köln-Sürth ein: Die Grundflächen beider Kirchen ähneln sich so auffällig, dass eine Nische in St. Remigius exakt den alten Beichtstuhl fasst und die Sitzbänke passgenau ins Mittelschiff passen.

Ursprung und Deutungen

Um 1000 entstand auf dem Domhof eine doppelgeschossige Pfalzkapelle, also eine Kirche für die Herrscherfamilie, die als St. Johannis in curia geweiht wurde. Der Name St. Johann Evangelist kam erst später auf. Über die ursprüngliche Funktion gibt es unterschiedliche Deutungen: Der Kunsthistoriker Jansen vermutete unter Verweis auf eine vergleichbare Lage in Worms eine frühere Taufkapelle des Doms. Klaus Gereon Beuckers nimmt dagegen wegen der Verbindung zum Bischofspalast und der architektonischen Nähe zur Marienkapelle der Goslarer Kaiserpfalz eine Palastkapelle der Erzbischöfe an, errichtet durch Erzbischof Hermann II.

Umbauten und Brand

Um 1250 folgte ein Neubau im rheinischen Übergangsstil von der Romanik zur Gotik. Ende des 14. Jahrhunderts ging der vormalige Friedhof von St. Mariengraden an die Pfarre über. Nachdem die Kirche 1743 niedergebrannt war, wurde sie von 1744 bis 1747 in barockem Stil neu errichtet und ausgestattet.

Aufhebung und Abbruch

Im Zuge der Säkularisation wurde die Kirche als Pfarrkirche aufgehoben. Als der Dom 1828/1829 freigelegt wurde, brach man den Bau ab. Den Bischofsstuhl erhielt der Kaufmann und Kunstsammler Matthias Joseph de Noël, erster Konservator des Wallrafianums. Die übrige Ausstattung kaufte das Ehepaar Breuer für den Neubau von St. Remigius in Köln-Sürth auf — darunter Altäre, Kanzel, Kommunionbank und Beichtstühle. Da sich die Grundrisse beider Kirchen ähneln und einzelne Stücke genau in den Sürther Bau passen, wird angenommen, dass die Ausstattung dort bereits eingeplant war. Ein Teil davon steht noch heute in St. Remigius.

Wissenswertes

Im Mai und Juni 1969 fanden auf der Fläche des abgebrochenen Baus unter Otto Doppelfeld Ausgrabungen statt.

Zeitstrahl

  1. um 1000
    Bau einer doppelgeschossigen Pfalzkapelle (St. Johannis in curia) auf dem Domhof
  2. um 1250
    Neubau im rheinischen Übergangsstil (Romanik zu Gotik)
  3. Ende 14. Jh.
    Friedhof von St. Mariengraden der Pfarre übertragen
  4. 1743
    St. Johann Evangelist brennt nieder
  5. 1744–1747
    Neubau und Ausstattung im Barockstil
  6. 1828/1829
    Abbruch der Kirche bei der Freilegung des Kölner Doms
  7. 1828–1830
    Ausstattung in den Neubau von St. Remigius in Köln-Sürth überführt
  8. Mai/Juni 1969
    Archäologische Ausgrabungen auf dem Areal unter Otto Doppelfeld

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-27