St. Gregorius im Elend
Im Krieg zerstörte und wieder aufgebaute Kölner Barockkirche, hervorgegangen aus dem „Elendskirchhof" – einst Begräbnisort für Fremde und Ausgegrenzte.
St. Gregorius im Elend, im Volksmund „Elendskirche" genannt, steht in der Kölner Altstadt-Süd an der Straße An St. Katharinen. Der heutige Bau ist eine Rekonstruktion der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche, die auf einen Vorgängerbau des 18. Jahrhunderts zurückgeht.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Kirche, Rekonstruktion eines zerstörten Baus
- Stadtteil
- Altstadt-Süd, Stadtbezirk Innenstadt
- Lage
- An St. Katharinen, zwischen Sionstal, Arnold-von-Siegen-Straße und Severinstraße
- Patron
- Gregor der Große
- Baustil
- spätbarock
- Architekt
- Karl Band
- Denkmalschutz
- Baudenkmal in Nordrhein-Westfalen
Der Kirchhof diente als Begräbnisstätte für Heimatlose, Ehrlose, Selbstmörder und Hingerichtete – also all jene, die auf einem normalen Pfarrkirchhof nicht bestattet werden durften. Noch kurioser: Auf demselben Gelände liegt ein Grabstein, der an die Familie des niederländischen Dichters Joost van den Vondel erinnert, die als Mennoniten vor der Gegenreformation aus Antwerpen nach Köln geflohen war.
Name und Herkunft
Der Name geht auf den Standort zurück, das Katharinengässchen, früher „im Elend" genannt. In französischer Zeit 1812/13 hieß die Stelle „Cul de sac Ste. Cathérine" – Sackgasse St. Katharina. Noch im 19. Jahrhundert waren bei den Kölnern die Bezeichnungen „Am Elend" und „Elendskirchhof" gebräuchlich.
Der Elendskirchhof
Der hinter dem ehemaligen Katharinen-Hospital gelegene Kirchhof wurde 1335 als „ellendiger kirchooyv" erwähnt, damals noch ohne Kapelle. Hier wurden heimatlos in Köln verstorbene Fremde bestattet, die zu dieser Zeit auf einem Pfarrkirchhof nicht beigesetzt werden durften. Der Ort diente auch als Begräbnisstätte der Ehrlosen, der Selbstmörder und der Hingerichteten, ab dem 16. Jahrhundert „unkatholische Tote" genannt. Bis zur Anlage des Geusenfriedhofs 1574 fanden hier auch Protestanten ihre letzte Ruhe.
Erinnerungssteine
Einige Grabmale im kleinen Kirchenhof verweisen auf diese Vergangenheit. Der Historiker Paul Clemen erwähnte den Grabstein des Kaspar von Kleingedank, genannt „Mommersloch", mit dem Todesjahr 1590. Ein Gedenkstein erinnert an die mennonitische Familie des Joost van den Vondel, die wegen der Gegenreformation aus Antwerpen nach Köln floh, ein weiterer an das Klosterfräulein Cornelia von Kaas (1762–1837).
Von der Kapelle zur Kirche
Für 1473 wird ein Altar überliefert, woraus auf ein erstes kleines Oratorium geschlossen wird; 1528 ist eine Kapelle belegt. Zwischen 1675 und 1678 gründete Jakob de Groote eine Familienstiftung, aus deren Mitteln die Kapelle erweitert und der Friedhof mit einer Umfassungsmauer versehen wurde. Die zuvor dem heiligen Michael geweihte Kapelle erhielt dabei Gregor als Hauptpatron und hieß fortan „Sankt Gregorius im Elend".
Zeitstrahl
- 1335Kirchhof erstmals als „ellendiger kirchooyv" urkundlich erwähnt
- 1473Altar auf dem Gelände errichtet; erstes Oratorium vermutet
- 1528Kapelle erstmals urkundlich erwähnt
- 1574Geusenfriedhof angelegt; Kirchhof gibt protestantische Begräbnisfunktion ab
- 1675–1678Stiftung de Groote; Kapelle zur Kirche erweitert, erhält Namen „St. Gregorius im Elend"
- 18. Jh.Spätbarocker Kirchenbau errichtet (heute nicht mehr erhalten)
- 2. WeltkriegKirche zerstört; heutiger Bau ist eine Rekonstruktion
Karte
Blaue Punkte: andere Orte in der Nähe – zum Stöbern antippen.
Das könnte dich auch interessieren
Kommentare
- Lade Kommentare…
Quellen & Links
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-27





