St. Gertrud
Brutalismus-Kirche von Gottfried Böhm im Agnesviertel – höhlenartiger Sichtbetonbau, 1967 mit dem Kölner Architekturpreis bedacht.
Im Agnesviertel der nördlichen Kölner Neustadt steht direkt am Bahndamm die katholische Pfarrkirche St. Gertrud. Den Betonbau gestaltete Gottfried Böhm im Stil des Brutalismus, wofür ihn 1967 der Kölner Architekturpreis auszeichnete.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Katholische Pfarrkirche
- Lage
- Agnesviertel, Neustadt/Nord, am Eisenbahndamm
- Bauzeit
- Bau 1962–1965, Weihe am 13. Oktober 1965
- Turm
- 40 Meter hoch, auf fünfeckiger Grundfläche
- Patronin
- Gertrud von Nivelles
- Orgel
- 14 Register, 1969 von Gebr. Späth
Der Grundstein der Kirche ist ein Felsmonolith aus Westerwälder Trachyt, der in der Wand eingebettet ist und dabei gleichzeitig von außen sichtbar und von innen als Weihwasserbecken genutzt wird. Außerdem hängt im Kirchturm seit 1960 eine Leihglocke, die ursprünglich 1764 in Oberschlesien gegossen wurde und nach dem Krieg jahrelang in der Nachbarpfarrei St. Agnes hing – sie ist bis heute nicht zurückgegeben worden.
Geschichte
Schon 1953 sicherte sich die Gemeinde St. Agnes das Areal – eine lediglich 62 Meter breite Lücke zwischen Krefelder Straße und Eisenbahndamm. Mit der Verselbständigung der Pfarrei St. Gertrud im Jahr 1960 vergab der Kirchenvorstand die Planung an Böhm. Nach dem Baubeginn 1962 folgte 1963 die Grundsteinlegung – ein Felsmonolith aus Westerwälder Trachyt.
Architektur
Als Basis dient ein vielfach gestaffelter, verwinkelter Grundriss. Die hohen, außen mit Waschbeton verkleideten Mauern setzen sich übergangslos in der spitzen, gefältelten Dachform fort. Drei giebelbekrönte Kapellenanbauten – Eingang, Tauf- und Sakramentskapelle – treten zur Straße hin vor. Abseits im Norden erhebt sich der Turm, dessen Erdgeschoss eine Marienkapelle aufnimmt.
Innenraum
Grobe, ineinander verschachtelte Mauern aus Wasch- und Sichtbeton sowie das knappe Licht lassen eine höhlenartige Stimmung entstehen. Den Boden aus rotem Ziegel teilen zwei Ebenen: ein Umgang entlang der Kapellennischen und der vier Stufen tiefer liegende Gemeinderaum. Diesen überspannen quer zum Chor drei prismenförmige Deckenreiter, die nach Westen zusammenlaufen. Der Grundstein von 1963 liegt in die Wand eingebettet und ist außen wie innen sichtbar, wo er als Weihwasserbecken dient. Unter dem Chor liegt eine Krypta mit einem Kreuzweg von Richard Seewald.
Ausstattung
Vom Taufbecken über Tabernakel und Altar bis hin zu Portal und Wetterfahne geht fast die komplette Ausstattung auf Böhms Hand zurück; von ihm stammen auch die drei mit floralen Motiven gestalteten Giebelfenster. Aus älterer Zeit hat sich ein großes Gemälde der Himmelfahrt Christi erhalten, das Robert Hieronymi 1912 schuf. In der Sakramentskapelle steht eine spätgotische Figur der Heiligen Gertrud von Nivelles mit Äbtissinnenstab und drei Mäusen. Die Glocke goss Franziskus Stancke 1764 in Troppau; ursprünglich hing sie in Schillersdorf in Oberschlesien.
Heute
Seit einigen Jahren läuft das Projekt „st. gertrud: kirche + kultur“, das den Innenraum mit künstlerischen Beiträgen erschließt, die sich auf den Raum selbst beziehen. Geweiht bleibt die Kirche dabei und versteht sich als Ort der Begegnung, des Gebetes und der kulturellen Auseinandersetzung.
Zeitstrahl
- 1953Gemeinde St. Agnes kauft das Baugrundstück zwischen Krefelder Straße und Eisenbahndamm
- 1960Pfarrei St. Gertrud wird als eigenständige Gemeinde von St. Agnes abgespalten; Gottfried Böhm erhält den Entwurfsauftrag
- 1962Baubeginn der Kirche
- 1963Grundsteinlegung: ein Felsmonolith aus Westerwälder Trachyt wird eingesetzt
- 1965Am 13. Oktober wird St. Gertrud geweiht und der Gemeinde übergeben
- 1967Gottfried Böhm erhält für den Bau den Kölner Architekturpreis
- 1969Orgel wird von Gebr. Späth Orgelbau erbaut (14 Register, 2 Manuale, Pedal)
- 2010Ab 1. Januar: Zusammenschluss mit St. Kunibert, St. Ursula und St. Agnes zu einer Gemeinde
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Quellen & Links
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-27





