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Bismarck-Denkmal (Augustinerplatz)

Nach Bad Kissingen das zweite Bismarck-Standbild im Deutschen Reich – 1879 im katholischen Köln als Affront enthüllt, im Krieg verloren.

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Auf dem Augustinerplatz in Köln stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein bronzenes Standbild Otto von Bismarcks – nach dem Standbild in Bad Kissingen das zweite öffentliche Bismarck-Denkmal im Deutschen Reich.

Auf einen Blick

Art
Bronzestatue auf öffentlichem Platz
Lage
Augustinerplatz, Altstadt-Süd (Stadtbezirk Innenstadt)
Bildhauer
Fritz Schaper aus Berlin
Höhe
2,83 m
Enthüllt
1. April 1879
Heute
nicht erhalten (im Zweiten Weltkrieg zerstört oder gestohlen)
Wusstest du?

Das Kölner Bismarck-Denkmal war im gesamten Rheinland das erste öffentlich errichtete Bismarck-Standbild – und seine Enthüllung am 1. April 1879 war bewusst als Provokation im laufenden Kulturkampf inszeniert: Die Statue zeigte Bismarck als Soldat mit Waffe, aufgestellt im katholisch geprägten Köln, finanziert von einer protestantischen Industriellenfamilie, die die Stadt 165 Jahre zuvor verlassen musste.

Quelle: Wikipedia · abgerufen 2026-06-24

Stiftung und Aufstellung

Die Aufstellung geht auf eine Stiftung des aus Mülheim gebürtigen Industriellen und Königlichen Kommerzienrates Christoph Andreae zurück. In seinem Testament vermachte er 20.000 Mark mit der Auflage, das Denkmal binnen dreier Jahre nach seinem Tod zu errichten. Da Andreae 1876 starb, lag diese Frist auf dem Jahr 1879. Am 1. April 1875 war Bismarck zur Vollendung seines 60. Lebensjahres zum Ehrenbürger Kölns ernannt worden. Der Stadtrat nahm die Schenkung am 30. März 1876 an; Freiherr Friedrich Heinrich von Diergardt aus Bonn sagte daraufhin weitere 20.000 Mark zu und sicherte die Finanzierung.

© Theodor Creifelds · Public domain

Ein Affront im katholischen Köln

Im Stadtrat wurde heftig über die ungewöhnliche Ehrung eines noch lebenden Politikers debattiert, der nicht zur Herrscherfamilie gehörte. Im katholisch geprägten Köln galt die Aufstellung während des Kulturkampfes als Provokation – ebenso die Darstellung Bismarcks als Soldat mit Waffe. Auch die Enthüllung wurde von Protesten begleitet, was die Lokalpresse jedoch bestritt.

© Theodor Creifelds · Public domain

Die Familie Andreae

Die Stiftung trug einen besonderen Stachel: Andreaes Vorfahren hatten 1687 eine Textilmanufaktur in Köln gegründet, mussten die Stadt aber 1714 als Protestanten verlassen. Am 18. Juni 1714 erhielt die Familie von Johann Wilhelm von der Pfalz das Siedlungspatent für Mülheim am Rhein. Zweihundert Jahre später ehrte sie ausgerechnet diesen Kurfürsten mit einem Denkmal.

Die Statue

Die Vorlage ging aus einem ausgeschriebenen Wettbewerb hervor. Die Bronzefigur zeigte Bismarck in schlichter Haltung mit Blick in die Ferne, gekleidet in die Interimsuniform seiner Halberstädter Kürassiere. Die linke Hand stützte sich auf den Pallasch, die rechte griff in den zugeknöpften Rock. Von der Gießerei Hermann Gladenbeck & Sohn stammten zudem drei verkleinerte Versionen in hoher Stückzahl, die bis heute im Antiquitätenhandel zu finden sind.

Einordnung

Im Rheinland war dies das erste öffentlich errichtete Bismarck-Denkmal. Die häufig wiederholte Behauptung, es sei das erste öffentliche Bismarck-Denkmal überhaupt gewesen, trifft nicht zu – dieser Rang gebührt dem Standbild in Bad Kissingen.

Verlust

Nach Iris Benner wurde das Denkmal in den Nachkriegswirren aus dem Hof des Stadthauses gestohlen; anderen Schilderungen zufolge wurde es bereits im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Zeitstrahl

  1. 1. April 1875
    Bismarck wird zum Ehrenbürger der Stadt Köln ernannt
  2. 19. März 1876
    Tod von Stifter Christoph Andreae; 20.000 Mark für Denkmal testamentarisch vermacht
  3. 30. März 1876
    Stadtrat beschließt Annahme der Schenkung
  4. 1879
    Bildhauer Fritz Schaper gewinnt ausgeschriebenen Wettbewerb
  5. 1. April 1879
    Enthüllung der 2,83 m hohen Bronzestatue, begleitet von Protesten
  6. Zweiter Weltkrieg
    Denkmal gestohlen oder zerstört (genaue Umstände ungeklärt)

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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-25