Erich-Klibansky-Platz
Fußgängerplatz auf dem einstigen Areal der jüdischen Gemeinde Adass Jeschurun; sein Löwenbrunnen gedenkt 1100 ermordeter jüdischer Kölner Kinder.
In Altstadt-Nord, an der Helenenstraße, liegt der Erich-Klibansky-Platz. Sein Name erinnert an Erich Klibansky, den letzten Direktor des jüdischen Reformrealgymnasiums „Jawne“; vergeben wurde er 1990.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Kleiner Platz, nur für Fußgänger zugänglich
- Lage
- Altstadt-Nord, Stadtbezirk Innenstadt, westliches Ende der Helenenstraße
- Umgebung
- Zwischen St.-Apern-Straße und Albertusstraße, gegenüber dem Haupteingang des Tagungshotels Pullman
- Besonderheit
- Löwenbrunnen als Mahnmal (1997)
- Gedenken
- 1100 ermordete jüdische Kölner Kinder
- Vorgeschichte
- Areal der jüdischen Gemeinde Adass Jeschurun mit Synagoge und Schulen
Der Löwenbrunnen auf dem Platz wurde von Hermann Gurfinkel geschaffen – einem der 130 Schüler, die Klibansky 1938 durch Flucht nach Großbritannien rettete, und der damit als Erwachsener seinem Retter ein Denkmal setzte.
Geschichte des Geländes
Schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts galt die St.-Apern-Straße als Wohn- und Geschäftsviertel wohlhabender Bürger, in dem Antiquitätengeschäfte mit überwiegend jüdischen Inhabern prägend waren. Die dort Ansässigen ließen 1884 die Synagoge der orthodoxen Gemeinde Adass Jeschurun sowie ein zugehöriges Lehrerseminar errichten. Zur Gemeinde gehörte außerdem die jüdische Volksschule Morijah; gegen 1919 kam das von der Gemeinde getragene Reformrealgymnasium „Jawne“ hinzu. Im November 1938 wurde das Synagogeninnere zerstört, 1942 schloss man die Schulgebäude; bei Kriegsende existierte keines der Gebäude mehr. Aus den kriegsbedingten Umgestaltungen der Stadt ging die heutige Platzfläche hervor.
Der Löwenbrunnen
Auf dem Platz steht ein Brunnen, den der „Löwe von Juda“ ziert – ein Gur Aryeh, hebräisch für junger Löwe. Bronzeplatten am Brunnenbecken tragen die Namen von 1100 ermordeten jüdischen Kölner Kindern, derer er gedenkt. 1997 aufgestellt, würdigt er ebenso Erich Klibansky, der 1938 für 130 seiner Schüler die Ausreise nach Großbritannien in die Wege leitete und sie damit rettete. Geschaffen hat den Löwenbrunnen Hermann Gurfinkel, eines dieser geretteten Kinder.
Vorfall von 2020
Im Juli 2020 färbten Aktivisten der „Animal Rebellion Köln“ das Wasser des Brunnens mit roter Farbe ein. Weil es sich um einen Gedenkort handelt, übten jüdische Verbände und die Kölner Synagogen-Gemeinde scharfe Kritik. Später entschuldigten sich die Aktivisten und bedauerten, der jüdischen Kultur unbeabsichtigt Unrecht getan zu haben.
Erinnerungsarbeit und Ausstellungen
Dieter und Irene Corbach trugen ab den 1980er Jahren über Jahre hinweg umfangreiches Material zur Kölner NS-Geschichte zusammen; nach dem Tod Dieter Corbachs gelangte es an das NS-Dokumentationszentrum der Stadt. Daraus ging die Ausstellung „Die Jawne zu Köln“ hervor. Irene Corbach setzte die Arbeit nach dem Tod ihres Mannes als Synodalbeauftragte für das christlich-jüdische Gespräch im rechtsrheinischen Kirchenkreis fort und hielt den Kontakt zu Jawne-Schülern in aller Welt. Unter dem Motto „Die Kinder auf dem Schulhof nebenan“ griff eine Ausstellung von 2007 die einstigen Gebäude der Gemeinde Adass Jeschurun an der St.-Apern-Straße 29–31 auf und wollte den Schulalltag einer jüdischen Schule der 1920er- und 1930er-Jahre vermitteln.
Zeitstrahl
- 1884Synagoge der orthodoxen Gemeinde Adass Jeschurun errichtet
- 1884Lehrerseminar an die Synagoge angegliedert
- 1907–1909Sitz des Landkreises Köln (heutige Kreishausgalerie) auf Nachbargrundstück erbaut
- um 1919Jüdisches Reformrealgymnasium „Jawne" in der St.-Apern-Straße gegründet
- 1938Klibansky organisiert Flucht von 130 Schülern nach Großbritannien
- November 1938Inneres der Synagoge zerstört
- 1942Schulgebäude der Jawne geschlossen
- 1990Platz nach Erich Klibansky benannt
- 1997Löwenbrunnen als Mahnmal für 1100 ermordete jüdische Kinder aufgestellt
Karte
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-26





