Kölner Mikwe
Mittelalterliches jüdisches Ritualbad unter dem Rathausplatz: Die Treppe führt im Inneren des fast 16 m tiefen Schachts bis zum Wasserspiegel.
Als Ritualbad diente die Kölner Mikwe der jüdischen Gemeinde des mittelalterlichen Köln. Erhalten ist ein tiefer Schacht unter dem heutigen Rathausplatz, in dem – anders als bei anderen monumentalen Mikwen – die Treppe innen bis hinab zum Wasserspiegel führt.
Quelle: Wikipedia
Auf einen Blick
- Art
- Ritualbad (Mikwe) der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde
- Lage
- Altstadt-Nord, Stadtbezirk Innenstadt, unter dem heutigen Rathausplatz
- Schacht
- 3,60 × 4,00 Meter Grundfläche, fast 16 Meter tief bis zum Grundwasser
- Erste Bauphase
- 8. Jahrhundert, danach mehrfach erneuert
- Besonderheit
- Treppe führt im Schachtinneren bis zum Wasserspiegel hinab
- Besuch
- bis zur Eröffnung des Museums MiQua nicht möglich
Der fast 16 Meter tiefe Schacht der Kölner Mikwe reicht bis zum Grundwasser hinab, das nach jüdischem Ritus als „lebendiges Wasser" gilt – und der Turm, der diesen Schacht überragte, war noch im 17. Jahrhundert in Quellen belegt, obwohl die Mikwe bereits 1424/26 aufgegeben und verfüllt worden war.
Geschichte
Urkundlich greifbar wird die Anlage 1270, als sie als Puteus Judaerorum (Judenpütz) erwähnt wird; ein Umbau fiel bereits an den Beginn des 12. Jahrhunderts. Auch nach der Judenvertreibung von 1424 erscheint sie noch als Pütz Kaltenborn in den Quellen, obwohl sie schon vor 1426 verfüllt wurde.
Im Judenviertel
Ihren Platz hatte die Mikwe südwestlich neben der Synagoge, inmitten des mittelalterlichen Kölner Judenviertels. Sie gehörte zu dessen Kerngebäuden – neben Synagoge, Waschbrunnen, Warmbad, Bäckerei, Tanz- und Spielhaus sowie Hospital.
Abstieg und Architektur
Den anfangs westlich gelegenen Eingang verlegte man im 11. Jahrhundert auf die Ostseite. Über einen gewölbten Vorraum mit Wartebank gelangt man abwärts; im oberen Teil läuft die Treppe außen am Schacht entlang, wo drei rundbogige Fensteröffnungen Einblick gewähren. Von einem kleinen Umkleideraum führt eine gewendelte Treppe mit einer antiken Säulenspolie aus Elbagranit in den Schacht. Dort setzt sich die Treppe – das Kennzeichen dieser Anlage – im Inneren bis zum Wasserspiegel und dem in Rotsandstein gefassten Becken fort; im unteren Teil nehmen Wandnischen Handtuch und Lampen auf. Dem jüdischen Ritus galt das Grundwasser als „lebendiges Wasser“. Über dem Badeschacht erhob sich ein Turm, den noch Quellen des 17. Jahrhunderts erwähnen.
Nutzung
Im Anschluss an das Warmbad fanden hier die vorgeschriebenen Reinigungsrituale statt, vor allem für Frauen nach Menstruation und Geburt oder vor der Hochzeit. Ebenso suchten Männer die Mikwe auf, wenn sie rituell unrein geworden waren.
Wiederentdeckung und Heute
1956 stießen Grabungen unter Otto Doppelfeld auf Mikwe und Synagoge. 1990 kam darüber eine Stahl-Glas-Pyramide als Oberlicht zu stehen, die wegen der ungünstigen Klimaverhältnisse seit 2007 jedoch wieder abgedeckt werden musste. 2010 und 2012 folgten weitere Grabungen unter Sven Schütte. Künftig wird die Mikwe in das im Bau befindliche Museum MiQua im Archäologischen Quartier Köln einbezogen und bleibt bis zu dessen Fertigstellung verschlossen.
Zeitstrahl
- 8. Jh.Erste Bauphase der Mikwe
- 11. Jh.Eingang von West- auf Ostseite verlegt
- nach 1096Umbau der Mikwe zu Beginn des 12. Jahrhunderts
- 1270Erstmals urkundlich erwähnt als Puteus Judaerorum
- 1424Nach der Judenvertreibung noch als Pütz Kaltenborn erwähnt
- vor 1426Mikwe verfüllt
- 1956Wiederentdeckung bei Ausgrabungen durch Otto Doppelfeld
- 1990Stahl-Glas-Pyramide als Oberlicht aufgesetzt
Karte
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Quellen & Links
Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-26





