Weiberfastnacht
Auftakt des Straßenkarnevals: Am Donnerstag vor Aschermittwoch führen im Rheinland für einen Tag die Frauen das Regiment.
Auf den Donnerstag vor Aschermittwoch fällt die Weiberfastnacht, mit der im Rheinland der Sitzungskarneval in den Straßenkarneval übergeht. Köln, wo der Tag Wieverfastelovend genannt wird, lässt an ihm den Straßenkarneval starten.
Auf einen Blick
- Art
- Karnevalsbrauch und inoffizieller Feiertag
- Termin
- Donnerstag vor Aschermittwoch
- Kölner Bezugsort
- Alter Markt, Altstadt-Nord (Innenstadt)
- Beginn der Feiern
- meist 11:11 Uhr
- Regionale Namen
- Wieverfastelovend (Köln), Altweiber (Niederrhein), Fettdonnerstag (Aachen), Schwerdonnerstag (Koblenz)
- Verbreitung
- Rheinland, Eifel und Hunsrück
- Grundgedanke
- Für einen Tag liegt die Herrschaft bei den Frauen
Ein Gericht entschied, dass das Abschneiden einer Krawatte an Weiberfastnacht eine Eigentumsverletzung sein kann – es sei denn, der Träger hätte wissen müssen, dass dieser Brauch verbreitet ist, weil er sich im Karnevalstreiben befand und mitfeierte.
Idee und Geschichte
Bis ins Mittelalter lässt sich der Einfall zurückverfolgen, den Frauen tageweise die Macht einzuräumen – was damals als „verkehrte Welt“ empfunden wurde. An manchen Orten ging der Brauch auf die Weiberzechen zurück, zu denen die Herrschaft die Frauen mit Wein bewirtete. Hinweise sprechen dafür, dass die weibliche Fastnacht zunächst auf den heutigen Aschermittwoch fiel; als sich die Fastnacht verschob, setzte sich im Rheinland der Donnerstag durch.
Köln und der Alter Markt
Der Kölner Wieverfastelovend ging im 18. Jahrhundert aus dem Mötzenbestot hervor, dem Treiben der Marktfrauen auf dem Alter Markt. Schlag 12 Uhr nahmen die Frauen ihre Haube, die Mötz, vom Kopf und schleuderten sie – häufig mitsamt Kohlköpfen – umher. Nun nicht mehr „unter der Haube“, gestatteten sie sich manche Freiheit. Als Hochburg des Brauchs gilt Köln.
Bräuche
Früher gaben sich die Frauen das Aussehen alter Frauen, übergaben den Männern Haushalt und Kinder und blieben beim Feiern unter sich; hieraus entstanden die Möhnenvereine, deren Mitglieder sich später eher wie eine Bürgersfrau des 19. Jahrhunderts kleiden. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts trennen Frauen den Männern die Krawatte als Sinnbild männlicher Macht ab; zum Ausgleich folgt ein Bützchen. Das Amtsgericht Essen wertete das Abschneiden ohne Zustimmung als Eigentumsverletzung – ein Einverständnis sei jedoch zu unterstellen, wenn der Träger erkennbar am Karnevalstreiben teilnimmt.
Rathaussturm und Feiertag
Bereits 1824 taten sich im Bonner Stadtteil Beuel die Wäscherinnen zusammen; noch heute erobert die Beueler Wäscherprinzessin mit ihrem Komitee das Rathaus und ergreift sinnbildlich die Macht. Diesen Sturm auf das Beueler Rathaus überträgt das WDR-Fernsehen live. Das Stürmen der Rathäuser wurde an vielen Orten des Rheinlands zur festen Gewohnheit. Im ganzen Rheinland zählt der Tag als inoffizieller Feiertag, an dem ab dem Mittag vielerorts die Arbeit ruht; gefeiert wird im Kostüm in Kneipen und auf den Straßen, während Umzüge nur an wenigen Orten stattfinden.
Zeitstrahl
- MittelalterIdee des Frauen-Regiments an einem Tag seit dem Mittelalter belegt
- 18. JahrhundertMötzenbestot der Marktfrauen auf dem Alter Markt in Köln als Vorläufer
- 19. JahrhundertGründung der Möhnenvereine; Frauen gehen im Kleid der Bürgersfrau
- 1824Beueler Wäscherinnen gründen das Alte Damenkomitee von 1824 e. V.
- Mitte 20. JahrhundertBrauch des Krawatten-Abschneidens als Symbol männlicher Macht etabliert
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-27



