Kölner Randkanal
Knapp 20 km langer Entwässerungskanal an Kölns Stadtgrenze — hält die Braunkohletagebaue trocken und ist heute durchgängiger Radweg mit Wasserkraftschnecke.
Der Kölner Randkanal ist ein knapp 20 Kilometer langer Entwässerungskanal an der nördlichen und westlichen Stadtgrenze Kölns. Er hält vor allem die rheinischen Braunkohletagebaue bei Frechen trocken und führt heute zugleich als Naherholungsweg durch die linksrheinische Landschaft.
Auf einen Blick
- Art
- Entwässerungskanal, betrieben von einem Zweckverband aus Industrie und anliegenden Kommunen
- Länge
- 19,68 km ab dem Ville-Stollen, davon 2,24 km unterirdisch (Stollen Worringen)
- Verlauf
- von Frechen-Königsdorf bis zur verrohrten Mündung in den Rhein bei Köln-Worringen (Rhein-km 710,5)
- Bauzeit
- 1954–1959
- Eignung
- Radfahren entlang der gesamten Strecke
An der Kanalkreuzung mit der Hugo-Junkers-Straße in Pulheim betreibt der Kanal seit 2011 eine Wasserkraftschnecke nach dem umgekehrten archimedischen Prinzip – ein Prinzip, das ursprünglich zum Heben von Wasser erfunden wurde, hier aber umgekehrt angewendet Strom erzeugt: das einzige Wasserkraftwerk im gesamten Bereich der beteiligten Kreise und Kommunen.
Zweck und Funktion
Vorrangig sorgt der Kanal dafür, dass die rheinischen Braunkohletagebaue bei Frechen trockengehalten werden. Daneben übernimmt er die Entwässerung des Rhein-Erft-Kreises und führt das geklärte Abwasser mehrerer Klärwerke ab, ebenso jenes der Kölner Stadtteile Esch, Auweiler, Pesch und Widdersdorf. Nach der Sanierung von 2010 bis 2015 trägt er zudem erneut zum Hochwasserschutz an der Erft bei: Ein Abschlagwehr bei Horrem-Götzenkirchen erlaubt es, Wassermengen in den Randkanal und von dort zum Rhein umzuleiten.
Südkanal
Der Südkanal wurde 1956 und 1959 von Lövenich bis Hermülheim gebaut und verläuft auf Kölner Gebiet teils unterirdisch. Bei Lövenich mündet er in den von Frechen kommenden Randkanal. Im südlichsten Abschnitt zwischen dem alten und dem neuen Hürther Klärwerk steht er heute meist trocken und nimmt nur bei Starkregen Regenwasser auf. Für seine Unterhaltung besteht ein eigener Zweckverband.
Bauweise und Sicherheit
Wo der Kanal oberirdisch verläuft, ist er in Beton mit steiler Böschung ausgeführt und zu beiden Seiten von dichten Hecken eingefasst. Bei kräftiger Strömung gelang es Menschen oder Tieren nach Unglücksfällen wiederholt nicht mehr, das Wasser zu verlassen. Aus diesem Grund sind unter den Brücken Rettungsleitern mit Schwimmern angebracht.
Naherholung
Wegen des steilen, überwiegend geradlinigen Betonbetts fügt sich der Kanal nur schwer ökologisch in die Landschaft ein. Beim Projekt RegioGrün der Regionale 2010 verbesserte man daher die Begrünung, schuf Aufenthaltsmöglichkeiten und baute Wege aus. Ein ausgeschilderter Radweg führt seit 2012 von Frechen-Königsdorf nach Köln-Worringen. Dort, an der Mündung in den Alten Worringer Hafen, entstand der Mündungspark mit einem „Wohnzimmer“ aus Ziegelsteinen in Gestalt einer Sofa-Sitzgruppe; 2013 folgten ein „Esszimmer“ als Rastplatz in Stahlbauweise sowie der Themenpfad „Energie & Wasser“ mit 22 Erzählstationen und drei Ankerpunkten.
Wasserkraftanlage
An der Kreuzung mit der Hugo-Junkers-Straße im Gewerbegebiet Pulheim arbeitet seit Mai 2011 eine Wasserkraftanlage. Über eine lange Wasserkraftschnecke nach dem umgekehrten archimedischen Prinzip verarbeitet sie aufgestautes Wasser aus einem Rückhaltebecken und speist jährlich rund 200.000 kWh ins Netz der Rheinenergie. Im Bereich der beteiligten Kreise und Kommunen ist sie die einzige Wasserkraftanlage.
Zeitstrahl
- 1954–1959Bau des Kölner Randkanals (ca. 20 km)
- 1956Bau des südlichen Randkanals (Südkanal) begonnen
- 1959Südkanal bis Hermülheim fertiggestellt
- 2010–2015Sanierung; Kanal dient wieder dem Hochwasserschutz an der Erft
- Mai 2011Wasserkraftanlage an der Hugo-Junkers-Straße in Betrieb genommen
- 2012Ausgeschilderte Radwegeverbindung entlang des Kanals eröffnet
- 2013„Esszimmer"-Rastplatz und Themenpfad „Energie & Wasser" errichtet
Karte
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Automatisch erstellt, zuletzt geprüft: 2026-06-26





